Dienstag, 8. Dezember 2020

Ein Tag ohne Regeln

Die Kinder sind weg. Ab zum Herrn Papa. Juhu. Gleich eins vorweg, bevor da irgendwelche Missverständnisse entstehen. ICH LIEBE MEINE KINDER. Ich bin sehr, sehr gerne mit ihnen zusammen. Aber ich bin auch gerne allein. Sehr sogar. Einmal nur für mich, unbeobachtet von meinen Teenager-Mitbewohnern, einfach tun und lassen, was ich will, auf die Vorbildfunktion wird für kurze Zeit gsch…en.

Herumliegen, im Bett essen, dummes Zeug im Fernsehen schauen, halbnackt durch das Haus laufen, ungesunde Mahlzeiten zubereiten, am Tisch bröseln und mit dem Handrücken mal so herzhaft das Kernöl vom Goscherl wischen. Ausgedehnte Badewannenaufenthalte mit zu hohem Heißwasserverbrauch, möglicherweise sogar mit einem Gläschen Sekt, am Tag die Vorhänge zuziehen und vor sich hinrüsseln, nicht das Haus verlassen, sich nicht körperlich ertüchtigen, auch auf die Frischluft wird gepfiffen. Naschen, obwohl man Hunger hat und genau weiß, dass ein vernünftiges, nahrhaftes Essen jetzt besser wäre, laute Musik spielen und dazu singen, am Handy hängen, obwohl man schon viereckige Augen hat usw. Das war der Plan.

Und nun zur Realität: nachdem die Kids die Tür hinter sich zugeschlagen haben, weiß ich erst gar nicht, was von den vielen Sachen ich als erstes anpacken soll. Meine vormittäglichen Yoga-Übungen lass ich natürlich aus, bin halt dann ein bisschen steif, aber wurscht. Da ich immer hungrig bin, beschließe ich, mir Spagetti mit Käsesauce zu kochen. Keinen Salat, kein Obst, kein Gemüse. Nur ein primitiver Nudelhaufen mit einer geilen Sauce drauf. Ich habe kein Schlagobers zuhause, aber Sauerrahm wird’s wohl auch tun, einkaufen geh ich nämlich wirklich nicht. Die Nudeln kochen eine Unendlichkeit vor sich hin und bleiben dennoch hart. Ich bereite meine improvisierte Sauce vor, was jedoch darin endet, dass der Sauerrahm zuerst die halben Küchenwände vollspritzt und danach ausflockt, der Käse zwar schmilzt, dann aber wieder nur in großen Klumpen am Löffel picken bleibt. Wurscht. Da muss ich jetzt durch, ich misch mir alles auf einem Teller zusammen, ein Teil der Sauce pickt am Tellerrand und als ich das Essen in mein Bett abschleppe, bemerke ich erst zu spät, dass besagte Saucenkreation auch unter dem Teller klebt und somit mein gesamtes Umfeld, sprich: Hose, Leintuch, Decke verschmutzt. Gut gemacht, Lotta, herzlichen Glückwunsch.

Danach nehme ich ein heißes Vollbad und ja, richtig erraten, ich schleiche zuvor noch in den Keller und will mir Sekt holen. Habe jedoch die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn ich finde nur mehr einen sauren alten, bereits geöffneten Wein. Und der wirkt. Fährt sofort in alle Glieder meines Leibes, gekoppelt mit dem heißen Wasser, bin ich nahe an einem Kreislaufkollaps. Ich habe ein knallrotes Untergestell wie ein Spanferkel, die Wangen glühen, mir ist schwindelig. Und schlecht. Und Sodbrennen hab ich. Mit letzter Kraft entsteige ich ungelenk der Wanne und bete zu Gott, dass ich nicht ohnmächtig werde, in die Wanne zurückfalle und mich am End dann noch die Kinder nackert und gegart mit einem Weinglas in Hand finden und einen Nachbarn rufen, der ihnen dann hilft, mich ins Trockene zu bringen.



Uff, ich hab’s geschafft. Bin zurück in meinem Sauerrahm-Käse-Sauce-Bett, wo ich ein kleines Schläfchen mache. Zur Belohnung für die viele, heute schon geleistete Arbeit. Dabei zieh ich mir eine Serie nach der anderen rein. Als ich wieder zu mir komme, habe ich dermaßen Kreuzweh, dass ich vom Bett kaum mehr hochkomm. Hätte meine Dehnungsübungen am Vormittag doch nicht ausfallen lassen sollen. Außerdem hab ich vom Schlafen jetzt wieder Hunger bekommen und bin total krawutisch. Unausgeglichen und zornig. Hätte doch sollen in die frische Luft gehen, das viele Wohnungshocken tut mir nicht gut. Das übertriebene Schlafen auch nicht.

Ich beschließe, das Naschkasterl zu stürmen, esse die restlichen Osterhasen – jawohl, da waren noch welche übrig – zerlassen auf ein paar fetten Bananen. Während des Essens schreibe ich ein paar unanständige WotSepp-Nachrichten an Leute, mit denen ich seit Monaten, um nicht zu sagen Jahren, keinen Kontakt mehr habe, was noch unangenehme Kommunikationen mit sich ziehen würde. Aber das ist eine andere Geschichte. Und dann drehe ich die Musik mal so richtig laut auf und tanze. Dazu mischt sich erneutes Sodbrennen der bösesten Art, es entfleuchen mir ein paar lautstarke Flatulenzen und der Nachbar klopft das erste Mal, seit wir hier wohnen, an die Wand, weil er den Lärm nicht mehr erträgt. Fast 20 Jahre und 3 Kinder lang hat er durchgehalten, doch mein Auftritt heute lässt das Fass überlaufen.

Damit die Sache nicht noch mehr eskaliert, räume ich die Küche zusammen, was angesichts der an den Wänden klebenden Käsesauce ein Halbtagesprojekt wird, überziehe mein Bett, reinige das Badezimmer und versuche den auf WotSepp angerichteten Schaden in Zaum zu halten. Was für ein Tag – so ganz ohne Regeln…

Bitte, liebe Kinder, kommt recht schnell wieder zurück. Ohne euch ist eure Mami komplett verloren.

Sonntag, 22. November 2020

Ich bin spröde geworden ...

 

Gut, zuerst dachte ich, es wird schon seinen Sinn haben, so eine Pandemie, irgendeine schöpferische Erneuerung wird es wohl bereithalten für uns, das Universum. Ein bisschen runterfahren halt wieder die erhitzten Gemüter, die gestressten Workaholics auf Werkeinstellung zurücksetzen. Uns aufs Wesentliche, Wichtige besinnen lassen, zu uns selbst finden.

Aber jetzt bin ich spröde geworden… zerbrechlich und zerknittert….

Zuerst ging’s noch, da war alles irgendwie anders und gar nicht mal so schlecht: durch‘s Distance Learning der Kinder gab’s keine Konflikte mehr im Pausenhof, die Kopfläuse blieben komplett aus, der Schularzt attestierte kein einziges Mal mehr Masseneisenmangel und Massenplattfüße , die öden Elternabende mit verbohrten Helikopter-Eltern und ihren abstrusen haarsträubenden Ideen fielen aus, niemanden interessierte mehr „die gesunde Jause“ und ob man zum Trendsport in die Berge oder zur Sissi nach Wien in der Schulwoche tingeln würde.

Die von mir so lästig empfundene Links-rechts-Busslerei zur Begrüßung fiel weg, man gab sich keine verschwitzten Hände mehr und wischte dann heimlich seine eigene Hand angeekelt ins Tischtuch der Nachbarin, man roch sich und die anderen nicht mehr – entweder aufgrund des stets mitgeführten Babyelefanten oder aufgrund des Nasen-Mund-Schutzes. Steril kroch man in sich selbst hinein, schnitt Grimassen, die keiner sah, jegliche Mimik verhallte im blau-weißen Fetzen und akustisch verstanden wir uns alle auch bald nimmer.

Die Adventmärkte , wo sich in seliger Glühwein-Laune die Schnapsnasen mit ihren batteriebetriebenen Zipfelmützen unterm grell beleuchteten Riesenradl zuprosteten und herumstänkerten, brauchte ich nicht mehr zu besuchen, was mir jedes Jahr von irgendwem aus meinem Freundeskreis zur Pflicht gemacht wurde und eigentlich war ich völlig ohne Stress und Kalender, weil es sowieso hieß „treffen Sie niemanden!“



Klang für mich zumindest am Anfang mal richtig gut und entspannend. So eine Pause von zu viel Menschelndem.

Aber jetzt bin ich spröde geworden. Sehr sogar.

Ich möchte euch alle wieder riechen, die Parfums und Cremen auf eurer Haut, die Shampoos auf euren Haaren, den Zigarettenduft in euren Bärten, den Schweiß auf euren Wangen. Ich möchte euch fühlen, wenn wir uns umarmen – und sei es nur für den kurzen Augenblick der Begrüßung, des flüchtigen Beschnupperns für ein paar Sekunden.

Ich möchte mich austauschen mit anderen Eltern, möchte deren Sichtweise erfahren, möchte mich mit Plattfüßen und Eisenmangel herumschlagen und das lästigste Übel, vor dem ich mich und meine Familie schützen würde müssen, sollten wieder diese verdammten Kopfläuse sein und nicht eine Krankheit, die so viele Gesichter und Erscheinungsformen hat wie die Hydra aus der griechischen Mythologie.

Und ja, ich möchte mich wieder mit den Dumpfbacken auf dem Christkindlmarkt herumschlagen und kopfschüttelnd nach Hause gehen und nicht durch die Thujenhecke des Nachbarn klettern, damit ich die Ausgangssperre umgehe.

Ich möchte meinen Kindern eine gesunde Jause richten und sie zum Schulbus in die Finsternis hinausschicken, wissend, dass sie an der nächsten Ecke schon ihre Freunde treffen und es zwischen ihnen ein Gekuder und ein Juchee geben wird.

Zerbrechlich fühl ich mich. Spröde und zerknittert.

Für Corona und das 2020er-Jahr hab ich genau noch einen Satz übrig: „Schleich di, du Oarschloch!“.

Freitag, 13. November 2020

A... frisst Hose.

 Meine Freitagsrunde durch die Stadt beginne ich beim regionalen Fischhändler, weswegen ich motiviert über den Hauptplatz galoppiere, nachdem ich zuhause ausgiebig gefrühstückt hatte. Das Unter-Hoserl zwickt etwas, wenn ich schneller gehe, doch dafür habe ich jetzt keinen Kopf, denn ich bin schon wieder auf Nahrungssuche. Vorm Geschäft steht man schon am Gehsteig an, die Schlange reicht bereits weit nach hinten. Als ich endlich dran bin, erklärt mir die nette Verkäuferin, dass die Fischerl heute nicht besonders groß sind, weshalb ich gleich viere mehr mitnehme, der regionale Fischhändler soll ja unterstützt werden und braucht auch selber was zu essen, nicht wahr?

Wieder zurück über den Hauptplatz – A… frisst mittlerweile besagte U-Hose – kann ich dem Bauernmarkt nicht widerstehen und decke mich dort mit Honig, Würsten und Riesenschaumrollen ein. Ich tratsche ein bisschen mit der Verkäuferin und weil sie echt nett ist und sich mein Blutzuckerspiegel immer mehr im Sinkflug befindet, sage ich ihr, sie solle doch noch 3 Röllchen drauflegen. Die Bauern müssen ja auch was essen und von was leben.

Meine sich am Körper befindlichen Röllchen wachsen offensichtlich direkt proportional zu diesem Augenschmaus und das U-Höschen zwickt jetzt schon richtig penetrant. Einen kleinen Abstecher mach ich aber noch ins Einkaufszentrum, da hat heute ein Weinhändler seinen Laden aufgestellt, was für ein Zufall! Und Rotwein soll ja gesund sein. Und überhaupt droht angeblich der harte Lockdown, dann muss ich wieder über WotSepp ein gepflegtes Flascherl … ähm… Glaserl trinken. Da kann es nicht schaden – einzig fürs psychische Gleichgewicht – einen guten Tropfen auf Vorrat im Keller zu haben. Und der Weinhändler soll’s auch gut haben, Ihr wisst ja….


Die Tasche ist unendlich schwer, die U-Hose droht bereits zu zerbersten, aber ich halte tapfer durch. Nur noch ein kleines Leckerli beim regionalen Schokohändler, ein bisserl schauen, ob es schon wieder die Marzipan-Weihnachts-Edition gibt. Ja, es gibt sie, was für eine Freude! „Geben’S mir noch so 5, 6 Riegerl!“, flüstere ich der netten Dame durch meine Maske über die Budl zu und breche vor lauter Einkaufslast schon fast zusammen. Aber da muss ich jetzt durch, der regionale Schokohändler muss ja auch … richtig! … was essen und von was leben !

Erschöpft erreiche ich mein Fahrrad und akkurat in jenem Moment, wo ich meine lahmen Beinchen über die Stange zu schwingen versuche, macht es einen Kracher und das Hoserl reißt am Allerwertesten.

Die Vernunft sagt mir: meine nächste freitägliche Shopping-Tour sollte nicht mehr zu den lukullischen Genüssen führen, sondern in ein Unterwäsche-Geschäft, in ein regionales. Denn mein Hinterteil muss offensichtlich auch immer was (fr)essen.

Montag, 5. Oktober 2020

Mein persönlicher Lockdown

 Ui… jetzt hab ich lange nichts mehr geschrieben. War sehr beschäftigt.

Angefangen hat es ganz harmlos: Mein Handy war kaputt. Es hat geraucht. Also nicht direkt geraucht, aber es ist binnen Sekunden so dermaßen heiß geworden, dass ich es öfters als Wärmflasche für alle möglichen Körperteile verwendete. Wo das schon überall war! Frage nicht.

Es wusste auch zu viel. Also war es an Zeit abzudanken und für das Neue Platz zu machen. Gekauft war es ja schnell, sämtliche Versicherungen und Schutzhüllen kategorisch abgelehnt und mithilfe meiner Kinder auch bald aktiviert, sprich mit kleinsten Nähnadeln, oder was immer das auch für ein Zeug ist, geöffnet und die SIM-Karte getauscht

Aber meine alten Apps bekam ich nur wieder in geschrumpfter Form, d.h. alte Konversationen und Bilder waren dahin, auf WotSepp wurde ich wie von Zauberhand frisch in irgendwelche veralteten Gruppen hinzugefügt und ich hatte plötzlich wieder Leute unter meinen Kontakten, die ich mit 103%iger Sicherheit gelöscht hatte. Weil ich sie nicht mag. Aber das Netz vergisst nichts. Und alles ist mit allem verbunden und verknüpft und big brother is watching me. Ich weiß.

Ja, und dann war da noch die Waschmaschine. Die nächste Kandidatin. Sie schleuderte mit 120 Dezibel, was die Nachbarn am anderen Ende der Siedlung in den Luftschutzkeller laufen ließ, da sie den Bombenangriff eines Überschallflugzeuges vermuteten. Außerdem zog sie vornehmlich auf den weißen, gewaschenen Höschen braune Bremsstreifen. Frage nicht, wie wir danach alle aus der Wäsche guckten.

Ach ja, und beim Auto gab es einen kleinen Parkschaden, nur ganz minimal, ich krieg halt kein Pickerl mehr, der Blechhaufen rostet mir unter der Hand davon und die offizielle Reparatur kostet 2 monatliche Durchschnittseinkommen.

Und der Geschirrspüler, hab ich eigentlich den Geschirrspüler erwähnt? Der wäscht das in der Waschmaschine so erbärmlich vermisste Weiß mühelos auf das gesamte Geschirr, sprich es ist mit einem Kalkbelag überzogen, dass man meint, man hätte es durch den A… gezogen.

Und dann wurde noch unser zuckersüßes Kätzchen totgefahren. Wir sind untröstlich.



Und mein Radl wurde kaputt, der TV-Kabelanschluss im oberen Schlafzimmer funktionierte nicht mehr, meine Matratze war durchgeritten, der Fotoapparat ließ sich nicht mehr einschalten, die Jalousie im Bad war im Eimer, das Licht im Vorraum unbrauchbar, der Wasserhahn im Bad tropfte und beim Vibs waren die Batterien durchgebrannt. Aber dies sei nur nebenbei erwähnt.

Ich bin also etwas unentspannt.

Und im Prinzip handlungsunfähig. MEIN PERSÖNLICHER LOCKDOWN.

Ich überlegte hin und her, studierte You-Tube-Videos mit Reparatur-Anleitungen, trieb mich in Baumärkten und Elektrohandlungen umher, fuhr mit Klein-LKWs und aß zur Entspannung halt ein bisschen mehr Schoko als sonst.



Ach ja und das Wichtigste: ich hatte vor allem Freunde, die mir in meinem Elend halfen. Freunde, die da waren, als wir die Katze zu Grabe trugen, Freunde, die da waren, als ich mit Zornestränen schon am Dübel-Reinschlagen scheiterte, Freunde, die das Auto mir nix dir nix pickerltauglich machten und Freunde, die mich mit köstlichen Einladungen und amüsanten Kurzreisen immer wieder bei Laune hielten. Ich danke euch.

Es geht nicht alleine. Es geht nicht gegeneinander. Es geht immer nur MITEINANDER. BEI JEDEM LOCKDOWN.

Mittwoch, 12. August 2020

Werbung wirkt

 

Ein paar Freunde sind bei mir eingeladen. Man isst sich die Hucke voll, trinkt so vor sich hin, genießt das eine oder andere Achterl über den Durst, und hört dabei Musik. Ein entspannter Abend. Glaubt man. Musik kommt aus dem ichtube-Kanal, dort kann man sich beliebige Playlists gratis gestalten, die Video-Clips dazu ansehen und einfach gute Musik hören. Kleines Hinkebein (außer mir): die WERBUNG. Sie ist auf den Suchverlauf des Users abgestimmt und wird dazwischen, davor und danach eingespielt. Unbarmherzig. Richtig unbarmherzig.

Und so kommt es, dass wir zu „Lady Gaga“ bereits ausgeflippt schunkeln und deren Elastizität und stramme Körperbeherrschung bewundern, während sie sich mit ihrem „Alessandro“ im Bettchen vergnügt. Plötzlich aber wird der Song unterbrochen und eine ältere Dame raunzt aus dem Kanal: „Mit Ihrem Alter leiden Sie sicher auch unter Scheidentrockenheit?“ Jo LeckFettn, das kann doch jetzt nicht wahr sein. Wie kommen die auf sowas? Das war ich nicht. Das hab ich niemals in mein Suchprogramm eingegeben. Ich schwörrrrrre!

Der nächste Interpret ist „Queen“ mit „another one bites the dust“, hoffentlich kommt jetzt nicht schon wieder eine Unterbrechung, schießt es mir durch mein perplexes Köpferl, doch ich gebe mich locker und singe lauthals mit. Das Unvermeidbare lässt allerdings nicht lange auf sich warten: „Haben auch Sie schmerzempfindliche Zähne, ein blutendes Zahnfleisch und Mundgeruch, dann kommen Sie in unsere Zahnklinik nach Hegeschalyoönomony?“ Geh reis o! Das kann doch nicht sein, das war ich nicht, auch danach hab ich niemals gesucht. Ich schwörrrrrre!

Meine Freunde lachen und starten das nächste Lied, indem sie mir die Maus und somit die Kontrolle entziehen. Jetzt geht der Spaß erst richtig los. Offensichtlich derzeit auf meine Kosten. „Männer sind Schweine“ dröhnt es aus einer Box, na immerhin wird auch noch wer anderer außer mir durch den Kakao gezogen. „….sie wollen alle nur das eine…“ Daraufhin eine Stimme aus der anderen Box: „Leiden Sie unter ständigem Harndrang und klappt’s nicht mehr so im Bett? Prostagutt forte. Weniger müssen müssen. Schont die Sexualfunktion.“ Fuck! Das kann doch nicht sein, das war ich nicht, das hab ich in keine Suchmaschine dieser Welt eingegeben. Ich schwörrrrrre!

Was soll ich noch weiter erzählen? Bei Hannah und ihrem „aussa mit de Depf“ wird ein Kochrezept für Käsespätzle vorgestellt – als ob ich die nicht könnte!,  bei Bausas „gib mir mehr von dem, was du Liebe nennst“, will man mir einen Kredit andrehen, bei Abbas „dancing queen“ sollte ich einen neuen Parkettboden kaufen und bei Seiler und Speers „Herr Inspektor“ zählt man mir die nächstgelegenen Justizanstalten samt Bushaltestellen auf.

Das kann doch nicht sein, das war ich nicht, das hab ich alles niemals gesucht. Ich schwörrrrre!


Jetzt ist auch die Laune der anderen gesunken. Ja, kann man denn nicht mal mehr in Ruhe Musik hören? Es folgen Tipps für Yogabekleidung, Hornhautraspeln, Partnersuche, griechische Reiseziele, Scheidungsanwälte, sanfte Haarentfernung im Intimbereich, Mosaikgestaltungen, Badsanierungen, Faltenstraffung, Rotwein-Angebote und ein alter Plattenspieler ist bei einem privaten Flohmarkt im Angebot. Mir reicht’s. Den kauf ich mir! Denn nach dem unnötig angebotenen restlichen Kram hab ich niemals gesucht…

….zumindest das mit der Prostata war ich wirklich nicht – ich schwörrrrrrre!

Montag, 27. Juli 2020

Die Verwandlung 2020 (Kafka reloaded)



Ein Friseurbesuch ist wieder mal dringend nötig, die Borsten lichten sich bereits an allen Enden, der Einstein sieht cooler aus als ich – also: tempus fugit und rein in den Laden, Maske rauf, Hände desinfiziert und schon sitze ich auf dem Stuhl. Rundherum alles kleine Tiegel auf polierten und gut beleuchteten Glasboards an den Wänden. Die Titel sind vielversprechend, weil Englisch: „Maintenance conditioner“ zum Beispiel. Bei näherer deutscher Betrachtung („Wartungs-Weichspüler“) eher beunruhigend. Bin ich eine Maschine und gar kein Mensch? Bedarf es wirklich einer Wartung?
Links von mir sitzt ein Mann, rechts eine Frau. Der Mann, natürlich ebenfalls mit Maske, hat sein ehrenwertes Haupt mit einer grünen Paste überzogen, die ihm weit in die Stirn und über die Ohren geschmiert wurde. Er schaut so jämmerlich drein, so erbärmlich hab ich noch nie ein Mannsbild dreinschauen gesehen. In keiner Extremsituation: weder in einem Krankenhaus, noch auf einem Begräbnis oder unter einem Wirtshaustisch. Das personifizierte Elend sitzt hier und ich denke an meine Oma selig, die immer schon sagte „Hoffart muss leiden und aus dem Spiegel schaut der Teifl raus“. Nun ist es also soweit.
Ich erhasche ein paar Wortfetzen, die er mit seiner Friseurin wechselt. Corona sei hausgemacht, ein böser Amerikaner habe es in die Welt gesetzt, man wolle das System herunterfahren, die Mittelschicht entmachten, die Menschen hörig machen und die Armen alle sterben lassen. Und bei der bevorstehenden Impfpflicht wird einem ein Chip initiiert, mit dem „die da“ weiß Gott was anstellen würden können.
Ich bin mir nicht sicher, ob’s bei dem Herrn nicht unter der grünen Paste auf seiner Stirn sogar ein paar Mal „Pieps“ gemacht hat, ein Geräusch kam auf jeden Fall aus ihm raus.
Jetzt werde ICH in die Mängel genommen, man wäscht mir die Haare, das Wasser und ein bisschen vom englischen Wartungs-Weichspüler tropft mir über die Stirn; die zuhause akribisch aufgetragene Anti-Falten-Creme rinnt mir in die Augen, was dieselben blitzschnell brennen und sich entzünden lässt. Und als ich mich wieder im Spiegel sehe, habe ich rote, verquollene Bindehäute und Luft krieg ich unter der Maske jetzt irgendwie auch nimmer, weil die Friseurin so enthusiastisch meine Spitzen schneidet, dass mir dieselben auf der Seite wieder zurück in die Maske fliegen und ich nur mehr keuchend spucke und grünlich anlaufe.

Und die Frau zu meiner rechten? Was soll ich euch sagen? Hat Alufolie, akkurat in kleinen quadratischen Briefchen geordnet, auf ihrem Kopf, dazwischen auch grüne Paste. Eine Spur dunkler wie der Herr vielleicht. Aber auch grün. Sie liest ein Magazin und schüttelt mit jedem Umblättern ihr Aluhut-Köpfchen.
Ein Blödsinn sei das alles, was da in der Zeitung steht, alles Lug und Trug, die Statistiken völlig verfälscht. Keine Grippetoten gebe es mehr, wo sind denn die alle hingekommen? Und jeder Verkehrsunfall wird als „‚mit‘ oder ‚an‘ Corona verstorben“ bezeichnet. Was dies alles für ein Unfug sei. Seit Monaten halte sie keinen Abstand, der Elefant sei ihr Blunzn und was sei passiert? Nixi. Rein gor nixi. Also was sollen dann die ganzen Lügengeschichten? „Pieps. Pieps“, macht es bei der Dame. Könnte die Trockenhaube gewesen sein. Hätte sie bloß eine aufgehabt….
Na Bumm. Was waren das noch für Zeiten, als man beim Friseur Themen behandelte wie: wann kommt mal wieder die Sonne oder wo Haare überall nicht mehr wachsen dürfen, wo der nächste Urlaub hingeht und ob sich die Kellnerin vom Café nebenan nach ihrer letzten Schicht schon wieder hat flachlegen lassen. Diese Bitch.
Und wo sind die guten alten Zeiten, wo Mann noch viereinhalb Minuten für einen Haarschnitt brauchte und Frau sich mit einem Minipli zufriedenstellen ließ?
Ich bekomme Angst. Große Angst. Nicht vor Corona, nicht vor den Illuminati, sondern vor meinen Sitznachbarn und vor dem Blick in den Spiegel, wo mir meine Verwandlung langsam sehr zusetzt. Ich verlasse so schnell es geht mit einem unüberhörbaren Piiiiiieps aus meinem Hinterteil das Etablissement und steige ins nächste Raumschiff ….ähm … Taxi, das frei wird.
Bis dann, meine lieben Freunde. Ich komme euch alle holen. PIEPS.

Donnerstag, 25. Juni 2020

Rot, rot, rot ... ist meine Lieblingsfarbe


Ein kreativer Einfall meinerseits trieb mich ins Geschäft, um Stofffarbe, Fixierer und ein weißes T-Shirt um insgesamt schlappe13,-€ zu erstehen. Jawohl! Wieder mal batiken wie in alten Tagen, kreative Muster auf einem Gewand kreieren, nicht den Einheitslook von der Stange kaufen, wieder mal aus der Reihe tanzen. So war der Plan.

Und beim Tanzen hört der Spaß bei mir ja bekanntlich auf, weshalb die Realität sich dann folgendermaßen gestaltete: nachdem ich mir zig Videos mit Anleitungen für komplizierte Muster und Schnürtechniken angeschaut hatte und es sogar schaffte mit Unterstützung meiner Brille und einer extragroßen Lichtquelle die Bedienungsanleitung auf Farbe und Fixierer zu entziffern, drehte und schnürte ich das Textil, wie ich nur konnte, verwendete ordnungsgemäß jedoch nicht wie vor 300 Jahren einen Spagat, sondern Haargummis. Und was noch anders war als bei meinen letzten Versuchen: die Farbe, in meinem Fall eine leuchtend rote, brauchte man nicht mehr in irgendeinem Bottich von Hand anrühren, sondern sie vereinigte sich in der Waschmaschine in einem unspektakulären Waschgang bei 40% mit dem Leiberl wie von selbst. Entspannt lehnte ich mich zurück und wartete. 

Das war das letzte Mal, dass ich in dieser Causa entspannt war, dies sei schon mal vorweggenommen.

Nach Beendigung des Waschganges riss ich die Trommel auf und musste mit Schrecken feststellen, dass die Haargummis der Maschinenbewegung offensichtlich nicht standgehalten hatten und separat herumflatterten, das Leiberl hingegen war rosarot. Und zwar durchgehend. Kein einziger Batikeffekt weit und breit. Nicht einmal ein Punkterl, das noch weiß geblieben wäre. Dafür aber tropfte in den Gummilaschen der Trommel noch jede Menge Farbe, die sich beim Öffnen sogleich über den Boden und meine Zehen ergoss. Auch meine Hände hatten was abbekommen. Ach, nicht so schlimm, ich tapste zum Waschbecken, nahm per Fußabdruck ein paar rote Schleifspuren mit und musste feststellen, dass sich mit reinem Wasser die Farbe nicht runterkriegen lässt.


Nach dem (vermeintlichen) Säubern der Waschmaschine legte ich noch eine Partie weiße Wäsche nach, ließ mein T-Shirt trocknen und probierte es danach auch gleich an. Die roten Spuren hatte ich inzwischen über das ganze Haus verteilt, sämtliche Türklinken waren blutrot, an den Wänden klebten kleine Patzer, auf dem Holzboden waren Abdrücke. Doch das T-Shirt schaute ganz nett aus – auch ohne Batikeffekt.

Und neue Sachen zeigt man ja gerne her, weshalb ich gleich eine Runde mit dem Rad drehte, etwas verschwitzt nach Hause kam und feststellen musste, dass das Shirt sowohl meine Unterwäsche als auch meine Hose angefärbt hatte. Nun gut, es braucht also einen neuen BH, eine neue Unterhose, neue Jeans, neue Socken und das bisschen Reinigungsmaterial für die Türklinken, den Parkettboden, die Fliesen und ein bisschen Farbe für die Wände im Gang. Des Weiteren muss man einen Maler bestellen.

Die Partie mit der weißen Wäsche war inzwischen auch fertig, leider übersah ich ein paar Farbrückstände in der Trommel, weshalb zusätzlich noch 7 Unterhosen, 3 Handtücher, 2 Polsterüberzüge, 4 Geschirrtücher, 3 Waschlappen und 2 Hemden neu zu kaufen sind.

Das Ganze wird mir in etwa, samt Maler, auf 800,- bis 900,-€ kommen.

Gut, dass ich vor den Kindern zuhause war. Die hätten sonst aufgelöst die roten Flecke im gesamten Haus gesehen, Muttern nicht vorgefunden und was weiß ich was gedacht. Immerhin: die Tatortreiniger hab ich mir dadurch erspart. Sonst wär’s noch ein bisserl kreativer geworden….

Montag, 18. Mai 2020

Maskerade



Ich muss jetzt mal ein bisschen Tratsch und Klatsch verbreiten. Ich kann nimmer anders. Sonst zerreißt es mich noch. Also, neulich beim Discounter ums Eck gesehen: Den Nothnagl Max. Mit einer anderen! So ein Trottel! Geht mit einer Schnecke einkaufen, die ganz sicher nicht seine Angetraute ist. Gut, die beiden hatten Masken auf und irgendwie kennt man ja die Leut‘ nimmer mehr so gut, aber ich bin mir sicher, dass das nicht die Seinige war. Das Gewand schon allein. Die hatte nie so einen Geschmack, war eher von der biederen Sorte. Und das Schneckerl da jetzt – huiwui! – trägt sogar ein Geweih über ihrem Hinterteil. Das Gsicht ist verdeckt, den A… sieht man. Was sind das bloß für Zeiten! Sie nehmen mit verliebten Blicken ihr Häuslpapier vom Fließband und stoßen mit der Stirn ans Plexiglas neben der Kassiererin. Übertragbare Krankheitserreger kleben somit an der Scheibe und warten auf den nächsten Schädel, der sich daran reiben wird.

Das ist dann gleich derjenige von der Oberhuber Babsi. Sie braust als nächstes mit einem Wagerl voller Hundefutter daher. Was braucht denn die bitte sowas, die hat doch ein Katzerl, ja hat die einen Pecker!? Und wie sie heute vorbeirennt bei mir, sonst grüßt sie immer. Gut, sie hat eine Maske auf und irgendwie kennt man ja die Leut‘ nimmer mehr so gut, aber ich bin mir sicher, dass sie es war. Oder doch nicht? Sie hinterlässt ihren fettigen Stirnabdruck an der Plexiglasscheibe und schaufelt dabei ihre Hundsdoserl vom Fließband.



Und der Manfred vom Hochhaus drüben, ich weiß den Nachnamen nicht, der hat jetzt noch mehr Pickel bekommen, der trinkt wahrscheinlich wieder … und die Isabella Bleibtreu von der Siedlung rennt mit fetten Haaren rum, dass der Sau graust und alle tun sie so, als ob sie wer anderer wären. Ja kruzitürken, diese blöden Masken!

Die Gruber Gerli hat schon wieder eine neue Tasche, gut, sie trägt die obligate Maske und ich bin mir nicht sicher, ob sie es wirklich ist, aber die hat echt einen Fimmel...

Der Sommerer Horst glaubt sich wohl seit neuestem über reine Markenkleidung definieren zu müssen, weil er sonst nix am Kasten hat und der Prepasser Markus rennt durch die Gänge, als ob die Polizei hinter ihm her ist. Dabei hat er‘s doch immer mit‘n Kreuz gehabt. Alle mit Masken. Aber ich bin mir sicher, dass das die Gruber, der Sommerer und der Prepasser waren. Gaaaaanz sicher. Oder doch nicht?

Was aber dem Fass den Boden ausschlägt, ist ein Typ, der gar keine Maske aufhat. Der geht quasi nackert zum Discounter. Zeigt alles her: die Nase mit den großen Löchern, die Wangen und die Lippen. Und als ich kurz einen Blick von ihm erhaschte, da zeigt mir diese Drecksau ohne Genierer sogar seine Zähne. Seine Zähne! Ich versteh die Welt nicht mehr! Auch er drückt sich mit seiner fettigen Stirn an die Plexiglaswand und bis ich an der Reihe bin, ist da schon ganz eine schöne Sammlung vorhanden.

Ich hinterlass schnell meinen Abdruck und sause auf den Parkplatz, reiß mir die Maske runter, schnappe nach Luft und muss erkennen, dass die Leute von vorhin, die jetzt alle gerade unmaskiert ihre Autos einräumen, gar nicht diejenigen waren, für die ich sie gehalten hab. Kein einziger!!! Der Nothnagl is wahrscheinlich eh immer noch glücklich mit seiner Alten, die Oberhuber streichelt zhaus eh noch immer ihre Muschi und ist noch nicht auf den Hund gekommen, der Manfred ist seit Jahren abstinent und hat eine Haut wie ein Babypopo.

Wenn ich wenigstens den Holzmichl getroffen hätte, könnt ich euch sagen, ob der noch lebt. Aber so? Diese blöden Masken! Und ich war soooo schön im Läster-Modus…

Donnerstag, 30. April 2020

Bin ich im Zoo, oder was?




Abstand halten soll man, haben’s gesagt. Einen so großen wie ein Babyelefant. Gut. Aber wie groß ist ein Babyelefant? Sicher, ich weiß, das ist nur ein reißerisches Beispiel, damit man seinen Mitmenschen ja nimmer zu nahekommt, aber vorstellen kann ich mir trotz intensiver Suche im Internet das sympathische Rüsseltier eigentlich nicht, weshalb ich vor kurzem beschloss, mir meinen persönlichen Babyelefanten zuzulegen. Gesagt getan. Die sind jetzt eh überall im Angebot gewesen. Aber was frisst so ein Viech und wie lang lebt es und wie groß wird es und was macht es eigentlich so den ganzen Tag? Törööööö!



Mein Leben ist anders geworden, seit ich ihn habe. Er leistet mir gute Dienste, das geb ich zu. Wir gehen nebeneinander zum Lebensmittelgeschäft und wenn jemand versucht, sich von hinten an mich ranzupirschen, drängt er sich dienstbeflissen dazwischen. Wenn ich mit dem Rad fahre, läuft er neben mir her und trötet vor sich hin, damit mir kein anderer Radfahrer in die Quere kommt. Wenn der Paketdienst läutet, nimmt er für mich sogar die Packerl entgegen. Und für die Apotheke brauch ich ihn ja auch. Haben’s gesagt. Töröööö…..

Was aber echt etwas nervt, sind ein paar andere Sachen. Duschen mit ihm zum Beispiel ist echt unmöglich, da sprengt er alle Grenzen. Und in der Badewanne führt er sich auf – pfiat di Gott! Jeden Tag die gleiche Überschwemmung und ein Getröte, dass schon die Nachbarn rüber klopften. Törööööö.

Wenn ich im Wald spazieren gehen will, holzt er links und rechts alles ab und so wirklich stubenrein ist das Tierchen halt auch nicht. Frage nicht.

Und erst im Bett! Manchmal lag ja schon ein Mannsbild neben mir und bestand auf einen Sicherheitsabstand zwecks gesundem Schlaf und so weiter. Aber so ein Elefant? Der Rüssel allein ist ja schon dermaßen lang, da war alles bisher Gesehene der reinste Lercherlschas dagegen. Und wenn er sich einmal umdreht, liegt er entweder auf mir drauf oder ich am Boden. Da war das mit den Männern seinerzeit nicht so kompliziert. Ein dreifaches Töröööö darauf!

Eigentlich reicht’s mir jetzt und ich bin froh, dass es bald zu Lockerungen in der neuen Normalität kommt. Da tausch ich ihn dann wieder ein – gegen einen Delphin, hab ich mir gedacht. Die sind ja jetzt eh auch überall.

Dienstag, 21. April 2020

Narrenfreiheit




Masken zu tragen ist primär ja gar nicht so schlecht. Den gesundheitlichen Aspekt jetzt mal außen vorgelassen. Gehen wir nur nach dem Optischen. Wie die Leute jetzt alle hübsch sind, wenn man nur die Augen sieht. Den sogenannten Spiegel der Seele. Herrlich!

Und was man hinter so einer Maske alles anstellen kann…




Ich zum Beispiel fühle eine gewisse Narrenfreiheit und gebe oft meinen Gefühlen ungeniert freien Lauf: wenn sich etwa jemand bei der Kassa vordrängt, schneide ich eine wilde Grimasse, die ich mich in maskenfreien Zeiten niemals hätte machen getraut – vor lauter guter Kinderstube.

Oder wenn ich die Nervige vom Bus sehe, zeige ich ihr unentwegt – stumm, aber sehr deutlich – meine Zunge. Solange, bis sie mir an der Maske picken bleibt. Aber das ist es mir wert. Endlich hab ich dieser Schlampe gezeigt, was ich von ihr halte…

Und weil ich gemerkt habe, dass mich auch die anderen Leute manchmal ziemlich nerven, äffe ich sie jetzt ständig nach, wenn sie sich miteinander unterhalten und sie ihre Verschwörungstheorien und ihr halbseidenes Virologen-Wissen zum Besten geben. Ah bäh bäh bäh bäh bäh…. Unter vorgehaltener Maske selbstverständlich.

Einem jungen Mann, einem richtigen Hottie, der mir unlängst über den Weg lief, schickte ich ein paar unschuldige Busserl nach, man will die Jugend ja nicht verderben und hat ja schließlich Manieren.

Gar noch geiler trieb ich es aber mit einem g‘standenen Mannsbild auf Augenhöhe, indem ich eine äußerst frivole Bewegung mit meinem Zünglein vollführte. Ach, tut das gut! Meine Kinderstube kann mich mal.

Und keiner von denen hat was mitbekommen, das ist das Beste daran.

Oder irre ich mich da etwa? Sind die Augen nicht doch das Fenster zur Seele und jede Bewegung, die man mit seinen ca. 50 Gesichtsmuskeln vollzieht, ist auch in der Augenpartie ersichtlich?

Gott, ist das peinlich, da werd ich mich wohl bei einigen entschuldigen müssen nach der Krise, aber zuerst pfeif ich sicher noch einmal dem g’standenen Mannsbild ordentlich nach und wenn er dann zurückkommt, gehört er mir – für immer, sagt Konfuzius.

Donnerstag, 26. März 2020

...es is ja eh alles da!



Sorget euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet … sehet die Vögel unter dem Himmel an … sie sammeln nicht in die Scheunen … und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? Mt 6, 25-26



Corona-Ausnahmezustand: nach Möglichkeit nicht jeden Tag einkaufen gehen, haben sie gesagt, besser gleich für eine Woche, haben sie gesagt. Aber nicht hamstern. Den anderen Mitmenschen auch noch was übriglassen, haben sie gesagt und mit Hausverstand shoppen gehen. Tu ich. Mach ich. Für eine Woche eingekauft. Check. In zwei Tagen alles zusammengefressen. Check. Jeans spannen ein bisschen, is aber eh wurscht, bin eh nur mehr in Schlabberhosen. Da hat noch viiiiel Eingekauftes Platz.

Jetzt ist es nun aber so, dass ich dann langsam doch begonnen habe, alte Sachen aufzuarbeiten, sei es aus coronatechnischen Gründen der häuslichen Inhaftiertung oder weil man halt einfach einen Frühlingsputz um diese Zeit macht. Ich habe die Winterkleidung gewaschen und eingemottet, die Sitzpolster bis ins kleinste Eck durchgesaugt, in den Kinderzimmern die Regale abgestaubt usw. Und dann passierte das Unfassbare:

Am 3. Tage nach dem letzten Wochen-Einkauf, also genau dann, als wir nichts mehr Verwertbares im Haus hatten und ich mich nicht raus zum Einkaufen traute – könnte ja ein Nachbar beobachten und heimlich eine Stricherl-Liste über meine Freigänge führen – bereitete ich eben besagte Winterkleidung für die Waschmaschine vor, indem ich die Taschen leerte. Es fanden sich folgende Gegenstände: 5 durchaus noch verwendbare Taschentücher, Haarspangen in 4 verschiedenen Ausführungen, originalverpackte Damenhygiene-Artikel mit 2 Buchstaben, Kleingeld im Wert von 23,40 €, Zuckerl von 2 verschiedenen Markenfirmen, der Schlüssel einer Nachbarin, die uns im Sommer gebeten hat, auf ihr Haus zu schauen, ein Zettel mit dem Namen „Friedrich“ samt seiner Telefon-Nummer und ein Müsli-Riegel. 


Im Wohnzimmer ging es erfolgreich weiter: Beim Durchsaugen der Sitzpolster stieß ich auf diverses Knabbergebäck, auf weitere Haarspangen, 2 Kondome mit nur ganz kleinen Rissen und Taschentücher mit vorzüglich erhaltenem Mentol-Aroma. Bei den anschließend durchgeführten Aufräumungsarbeiten in den Kinderzimmern kamen 2 gefüllte Jausenboxen mit Äpfeln, Butter-Keksen mit was-weiß-ich-wie-vielen Zähnen, 4 isotonische Getränke, 2 Mineral und eine Packung Gummibärchen ans Tageslicht, außerdem fanden 4 Paar Socken wieder zueinander und Buben- und Mädchen-Kleidung – vor Jahren in die falschen Kästen eingeordnet – wurde dem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben. Beim Zeug der Kinder befanden sich des Weiteren 4 Probepackungen Instant-Nudeln mit Asia-Geschmack als Werbegeschenke noch vom Schulbeginn, 2 Versicherungspolizzen für mögliche Unfälle auf dem Schulweg, meine seit Jahren verschwundene Lieblings-Haar-Bürste und Katzenfutter für ein ganzes Tierheim.

Nur Klopapier fand sich nirgends. Mist, ich werd‘ wohl doch wieder einkaufen gehen müssen …

Donnerstag, 19. März 2020

Nein, meinen Keller putz ich nicht!





Entlehnt aus: „Der Struwwelpeter/die Geschichte vom Suppen-Kasper“



CORONA lebt – und was nun?
Zuhause bleiben und alles tun,
was man seit Jahren liegen ließ:
sortieren, räumen – ist das fies!
Doch Lotta fing gleich an zu schrei’n:
„Ich putz nicht meine Küche! Nein!
Ich putze meine Küche nicht!
Nein, meine Küche putz ich nicht!“


Am n ä c h s t e n Tag – ja sieh nur her!
Da war es noch viel dreckiger.
Da fing sie wieder an zu schrei’n:
„Ich wische keinen Boden! Nein!
Ich wische meinen Boden nicht!
Nein, meinen Boden wisch ich nicht!“


Am d r i t t e n Tag, o weh und ach!
Da wurd‘ sie erst um elfe wach!
Sie wollt‘ sich machen hübsch und fein,
doch keine Wäsche war mehr rein:
Ich wasche keine Kleidung! Nein!
Ich wasche meine Kleidung nicht!
Nein, meine Kleidung wasch ich nicht!“


Am v i e r t e n Tage endlich gar
der Garten ruft – das war ganz klar,
heute mal rechen, kehren,
Hecken trimmen mit großen Scheren.
Da fing sie wieder an zu schrei’n:
„Ich mache keinen Garten! Nein!
Ich mache meinen Garten nicht!
Nein, meinen Garten mach ich nicht!“




Am f ü n f t e n Tag, o weh, o Graus,
der Keller schaut verheerend aus,
man könnte ordnen und entleeren
oder all den Staub nach unten kehren.
Wie kann man nur so trotzig sein?
„Ich räume keinen Keller! Nein!
Ich räume meinen Keller nicht!
Nein, meinen Keller räum ich nicht!“


Am s e c h s t e n Tag, es ist ein Jammer,
voller Bücher ist die Kammer.
Die Schriften woll‘n gelesen sein,
doch sind sie all gedruckt so klein.
„Ich brauche keine Brille! Nein!
Ich brauche meine Brille nicht!
Nein, meine Brille brauch ich nicht!“


Doch dann kriegt Lotta großen Mut.
Der Streik im Haus tut ihr sehr gut.
„Dieses Gschafteln mach ich nicht,
da hol mich eher noch die Gicht!
So a g’störte Pandemie
zwingt mich nimmer in die Knie;
spielt nur blöd mit unserer Not!“


Am s i e b t e n Tag war CORONA tot.




Freitag, 13. März 2020

Also mal angenommen, ich wäre ein Hamster




Also mal angenommen, ich hätte mich in den letzten Tagen auch von der leichten Massenhysterie des bevorstehenden akuten Hungertodes anstecken lassen und wäre zum Discounter ums Eck gestürmt und hätte mich mit den anderen Angesteckten verbal um das letzte Packerl Mehl geprügelt. Also mal angenommen, es wäre so gewesen und ich hätte aber nur mehr das Bio-Mehl um 400,-€, das von nachhaltig regional gehaltenen glücklichen Weizenkörnern stammt, ergattert und wäre dann damit nach Hause gefahren, beruhigt, dass mir jetzt nix mehr zustoßen könne. Also mal angenommen, das wäre so gewesen, … dann wüsste ich jetzt eigentlich nicht, was ich mit diesem Mehl in Mangelzeiten so wirklich anfangen könnte.

Weiß das sonst irgendwer?

Sicher, ich könnte Palatschinken oder Spätzle machen, bräuchte jedoch dazu Eier, die ich jetzt aber nicht gebunkert habe – hat mich kein Paniker in diese Richtung angesteckt. Auch könnte ich Pizza machen, dazu bräuchte ich aber eine Germ, die ich allerdings vergessen habe vorrätig in Trockenform zu lagern. Aber das war’s dann auch schon mit meinen Rezepten.

Oder fangen wir jetzt alle zum Brotbacken an? Dazu bräuchte man aber auch eine Germ – hab ich zumindest gegoogelt. Denn wissen tu ich sowas nicht. Hab in meinem ganzen Leben noch kein Brot gebacken. Und die Dunkelziffer, wie viele von den Mehl-Hamsterern es auch noch nie gemacht haben, ist angeblich höher als die Virus-Sterbe-Rate.



Marie Antoinette hatte seinerzeit ja einen guten Tipp, was man mit Mehl machen könnte: „wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen“, unterstellt man ihr gesagt zu haben. Also könnte ich Kuchen backen, wobei ich gerne an meinen ersten „Becherkuchen“ zurückdenke. Das Rezept besagt, man nehme ein Jogurt-Becherl und messe darin Mehl, Zucker, Kakao etc. Am Schluss des Rezeptes schrieb mir mein Mütterlein: „1/2 Backpulver“. Ich gehorchte. Und schüttete ein halbes Yogurt-Becherl voll Backpulver dazu. Da gab’s kein Verhungern mehr. Der gute Kuchen vermehrte sich binnen Minuten im Backrohr auf ein Vielfaches seiner selbst, ich verwendete mehrere Gefäße und Formen und zehrte einige Wochen von diesem explosiven Stück. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und dann? Am Ende der Verdauungskette? Mal angenommen, ich hätte mich in den letzten Tagen auch von der Hysterie des Toilettenpapierkaufes anstecken lassen, und ich hätte davon so viel zur Verfügung, dass ich selbst die vielen Ärsche damit nicht in die Flucht schlagen könnte, die mir in meinem Leben noch so begegnen werden. Was dann?

Dann könnte ich ja mit dem vorrätigen Bio-Weizen-Mehl unter Zugabe von Wasser ein wenig Kleister produzieren und mit dem Häuslpapier eine gediegene Papiermaché-Maske anfertigen, um die Menschheit vor meinen Ausdünstungen zu schützen. Ohne Germ und ohne Eier.

Also alles mal nur so angenommen. Ist aber eh nicht so...

Ich werde nämlich jämmerlich verhungern, jedoch in Würde - mit blitzeblankem Po.

Sonntag, 1. März 2020

Nicht witzig. Echt nicht.




Jetzt bin ich schon in einem Alter, in dem man nostalgisch zurückblickt in seine Jugend, in seine Kindheit. Man tendiert dazu, 70er Partys zu veranstalten, Vintage-Kleidung zu tragen, sich nach den Süßigkeiten von damals zu sehnen, Sprüche über die „wahre Kindheit“ zu liken, die Musik von anno dazumal zu hören und so manchen Kalenderspruch als Lebensweisheit gutzuheißen. Da war die Welt noch in Ordnung.

Ach, wie war das damals aufregend, wenn man eine „Strahler80“-Zahncreme-Werbung sah, was die einem nicht alles versprach, was im Leben noch verheißungsvoll auf einen zukommen würde „so ein Strahlerkuss ist ein Hochgenuss“, hieß es da. Und die Femina-Slipeinlagen waren „selbstklebend und anschmiegsam“, der Bac-Deo-Stift versprach Frische für dich und mich („mein Bac, dein Bac“), die Haare band man sich mit einem schlichten Gummiringerl zusammen und schon war man frisiert. Vor der grün-braun gemusterten Kugel-Blumen-Tapete flimmerte „Familie Petz“ in FS1, dazu gab’s Krachmandeln zum Naschen und am Ende eines Tages verabschiedete man sich von seinen Freunden mit einem flapsigen „bis morgen um drei – in der Vogelscheißerei“. Danach hockte man sich zu seinem Rekorder und nahm ein paar Lieder auf Kassette auf, gestaltete sich also kreativ seinen eigenen Mix. Eine unschuldige Zeit, kein Gehetze, kein Gejammer, kein Corona-Virus, eine paradiesische Epoche.

Na ja, und dann war da ja noch wer…. ähm…. also, das ist jetzt nicht witzig. Echt nicht. Also bitte nicht lachen. Ich trau es mich fast nicht zu erwähnen. Mich begleiteten damals zwei schwarze, ca. 15 cm große Strichmännchen: Frau Krönlein und Frau Spinada. Niemand konnte sie sehen. Nur ich. Die waren wirklich da. Ich schwörrrrrre. Sie sprangen meist fröhlich im Türöffner der Küchenkredenz herum, das war so eine lange Schiene, da konnten sie selbst tanzend nicht rausfallen. Die waren immer sehr beschwingt, manchmal gingen sie auch auf der Dorfstraße mit mir mit und kletterten mit einer ungemeinen Leichtigkeit auf die Fensterbänke diverser Häuser. Frau Spinada hatte ein Kleid an, Frau Krönlein war nackt. Nur so zur Info. Und meine Mutter hatte große Sorge um meine geistige Gesundheit. Auch nur so zur Info. Aber witzig war das echt nicht.

Na ja, und jetzt eben, in der Gegenwart, also jetzt unlängst, mit 50, also in einem durchaus reifen Alter …. ähm ….lüfte ich morgens mein Schlafzimmerfenster und da huscht was Schwarzes, ganz Zartes, etwas Leichtes, Beschwingtes seitlich rein und ehe ich mich verseh, sind die zwei wieder da: Frau Krönlein und Frau Spinada. In meinem Schlafzimmer. Mit 50. In der Früh beim Lüften. Das ist nicht witzig. Echt nicht. Das darf ich gar niemandem erzählen, denk ich mir und verbringe halt einige Zeit mit den beiden. Die zipfen mich aber bald an. Brauch ich die eigentlich jetzt immer noch? Was die können, das kann ich allein schon lang, schießt es mir durch mein friedhofsblondes Kopferl. Beschwingt durchs Leben hüpfen, nackt, wenn’s sein muss, das Krönlein richten und tanzen. Das kann ich auch, da brauch ich die zwei nicht, das hab ich nun erkannt. Ich schicke sie weg. Ich will sie nicht mehr. Echt nicht.



Und im Übrigen: die Zeit damals war gar nicht sooo herrlich, denn die Strahlerküsse waren nicht immer Hochgenüsse, die Slipeinlagen schmiegten sich gar nirgends an, sondern verrutschten widerborstig im Höschen und wenn man Pech hatte, kamen sie bei den Socken wieder ans Tageslicht, der Bac-Stift verklebte mit Aluminium die Drüsen samt üppig sprießendem Achselhaar und die Gummiringerl zerfraßen einem die Zöpfe. Die Krachmandeln machten einen wunden Gaumen, der Großvater vom Petz war ein bösartiger Tyrann mit patriarchischen Erziehungsmethoden ohne Herz, die Tapeten schauten grauenvoll aus und ließen bei näherer Betrachtung eine unfassbare innerliche Unruhe entstehen. Aus den Musikkassetten löste sich immer und immer wieder das Band und wenn man den Song auch mal von Anfang an erwischte, konnte man sicher sein, dass der Udo Huber nach ein paar Takten wieder reinquatscht. Und war es damals auch kein Corona-Virus, so war es die Tollwut, die uns dazu veranlasste, im Haus zu bleiben, wenn man einen streunenden Hund sah oder gar im Wald einen Fuchs. Quarantäne in den 70ern.
Und unter uns: was eine „Vogelscheißerei“ ist, ist mir bis heute auch ein Rätsel. Vielleicht wissen Frau Krönlein und Frau Spinada das. Ich werd sie bei Gelegenheit mal fragen

Samstag, 11. Januar 2020

Die Länge ist egal, die Technik macht’s!



Vollmondweibernacht. Man ist durch die kosmische Energie schon etwas aufgegangselt, man knabbert Pistazien, trinkt das eine oder andere Bierchen und muss erkennen, dass sich die Tischgespräche mit dem Alter etwas gewandelt haben. Nicht unbedingt in einer appetitanregenderen Form, das muss ich gestehen. Doch irgendwie müssen die Pistazien ja auch wieder ans Tageslicht.

Unterhielt man sich in jungen Jahren – also noch vor ein paar Wochen - über anstehende Events, Ergötzungen oder Probleme mit dem anderen Geschlecht, Serviettentechnik und Seifensiederei, so dreht sich jetzt alles eher ums drohende Klimakterium und die gesündesten Kochrezepte. Aber in dieser Vollmondnacht, da läuft das Ganze dann wohl ziemlich aus dem Ruder. Niemand weiß, wer darauf kam, denn plötzlich dreht sich alles nur mehr um die Frage „wie sch***e ich richtig?“



Die eine meint, alles Leben sei Leiden, das schon in der Früh mit einem harten Geschäft beginnt, die andere trötet ins selbe Horn und zeigt, wie sie sich pressend vorwärtsbeugt, als ob wieder mal eine Geburt anstünde, die nächste brüllt dazwischen, dass dies das Schlechteste überhaupt sei und propagiert ein Stockerl für eine Beinerhöhung und die Schamanin unter uns schlägt mutig-frech vor, ein Seminar darüber in der Region veranstalten zu wollen. (Danke, Betty, ich liebe dich!) Nur für Weiber, meint sie, die Männer würden inzwischen eine Gratiszeitung und ein gemütliches Platzerl auf einem Abort zugewiesen bekommen. Denn damit haben die Kerle ja ohnehin kaum ein Problem. Manche zählen den Defäkationsvorgang zu den schönsten Stunden ihres Tages.

Wir aber suchen weiter nach einer Lösung, es wird im Internet gesurft, man sieht sich Videos von kackenden Männern an, man lernt etwas über Stuhlgangsohnmacht und Hämorrhoiden,  man erhält seitenweise Angebote über Toilettenpapier und faltbare Hocker, die den Austrittswinkel anatomischer formen und als wir am Ende mit unserer Weisheit sind, stellen wir einfach Alexa, das fünfte Weib in unserer Runde, die alles umfassende Frage: „Wie sch***e ich richtig?“, woraufhin diese uns ungerührt antwortet: „ich bin mir nicht sicher!“. So ein G’schiss aber auch!