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Mütter-Töchter-Ausflug

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Ein befreundetes Mutter-Tochter-Gespann, mein Mäderl und ich planen einen Ausflug. Wir gründen die übliche WotSepp-Gruppe, legen das Datum und das Ziel fest und sind bass erstaunt, wie schnell wir einen Konsens finden. Keine Kalamitäten bei der Termineinigung, keine Animositäten bei den Sehenswürdigkeiten oder beim Reiseziel. Einfach und kompakt und sehr perfekt. Oder doch nicht? Auf dem Plan stehen die Ausstellung des Fotografen Steve McCurry in der Messe Graz, ein Mittagessen in den südsteirischen Weinbergen mit regionalen Köstlichkeiten und ein Besuch des Foto-Hotspots „Herzerlstraße“ an der slowenischen Grenze. Alles andere würde spontan erledigt und besichtigt werden. Soweit die Theorie. Wir starten mit einem geliehenen Flitzer, die befreundete Tochter ist unsere begeisterte Chauffeurin, mein Mäderl ihre Beifahrerin und wir Mütter quetschen unsere gebärfreudigen Becken auf die billigen Plätze. Nach kurzer Zeit gibt es das erste Problem: ein Licht leuchtet im Cockpit auf, es

Die Laus auf meiner Leber

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  Mein Shiatsu-Praktiker hat meinen Leber-Meridian behandelt und mir dringend geraten, mich weniger zu ärgern. Und das geht folgendermaßen: Nachdem ich vor einigen Wochen durch das Überknöcheln beider Haxen bewiesen habe, dass auch ich ein „gefallenes Mädchen“ sein kann, versuche ich nun wieder langsam aufs Pferd zu kommen. Oder zumindest ins Auto. Hierzu schlucke ein paar Tabletten, die einen sind gegen dieses Zipperlein, die anderen für jene Kalamität. Mit verbundenen und zugeschnürten Fesseln in den stabilsten Schuhen, die ich besitze, wage ich es eine Ausfahrt zu machen. Und es geht! Ich bewege mich tastend raus aus meiner Siedlung und schaue wieder ein bisschen über meinen Suppenschüsselrand. Es gefällt mir. ALLES gefällt mir plötzlich. Die aufgemotzte Rotzbubenschleuder neben mir samt peinlichem Midlife-Crisis-Fahrer, der den Arm lässig am offenen Fensterrahmen abwinkelt und im Rhythmus irgendeines Beats noch viel peinlicher mit dem Kopf wippt; der SUV hinter mir, der schon f

Die Natur schlägt zurück.

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Woche drei, nachdem es mich dereinst ausgehakt hat: beide Scharniere an den Füßchen kurz mal in die falsche Richtung gezogen und schon bin ich lahm- und stillgelegt. Ein Bewegungsradius wie der einer Weinbergschnecke ist mir seitdem eigen, die Beinchen sehen immer noch aus, als ob mich jemand gefoltert hätte und statt eines sinnlichen Duftes ziehe ich Nicht-Steroidalen-Antirheumatika-Geruch hinter mir her. Und je länger die Misere dauert, desto mehr merke ich: es juckt mich mit keiner Faser mehr. Ein „mir-is-deis-wurscht-Gefühl“ hat von mir Besitz ergriffen. Loslassen vom Feinsten. Da ich ja kaum zur Hausarbeit oder Systemerhaltung fähig bin – außer kochen und essen tu ich nicht viel, aber das ist mir äußerst wichtig! – beginnt nun schön langsam die Natur, sich sowohl Haus als auch Garten zurückzuerobern: In so gut wie allen Ecken hausen ganze Spinnenclans mit ihren lieben Babys, auch die Großeltern hab ich schon gesichtet, und im Licht der Sonne schimmern ihre Weben, die vielleich

Läuft bei mir - sagt das Horoskop

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In der Genesungsphase nach dem phänomenalen Überknöcheln meiner beiden Fußgelenke schreiben wir Woche zwei. Die Haxen sind nach wie vor zu nix zu gebrauchen, spielen alle Farben des Regenbogens durch und sind geschwollen. Die Körperpflege und „das bisschen Haushalt“ kann ich in eingeschränktester Form am frühen Morgen verrichten, danach nehmen Geschwulst und Laune direkt proportional zu bzw. ab. Keinesfalls fehlen darf bei meiner Morgenroutine allerdings das Horoskop in der Zeitung. Nicht dass ich viel davon halten würde, lesen tu ich es dennoch tagtäglich. Und irgendwie prägen sich diese kurzen Sätze scheinbar doch mehr ein als mir lieb ist. Also müssen sie doch stimmen, oder? Montag: „Die Angst, etwas falsch zu machen, hindert Sie am spontanen Handeln. Freunden Sie sich mit dem Gedanken ruhig an, dass niemand perfekt sein muss. Das macht das Leben bunt.“ So ein Blödsinn! Ich habe keine Angst, etwas falsch zu machen. Im Gegenteil. Ich bin arrogant. Ich mache keine Fehler. Die an

FEHLTRITTE: so lernt man neue Leute kennen

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  Ich bin ja nun in einem Alter und in einer Position, wo ich nur mehr schwer neue Leute kennenlerne. Ich gehe weder in Discos, noch werde ich zu rauschenden Strandpartys eingeladen. Beim Discounter ums Eck sind auch immer die gleichen Gesichter und über meinen Gartenhang hat’s erst einmal einen B’soffenen mit spitzem Filzhut runtergeschmissen. Der war für eine Freundschaft nicht aufgeschlossen genug. Was also tun? Ich weiß es jetzt! Und ich werde mein Wissen hiermit teilen: man braucht bloß ein paar Fehltritte machen. Wortwörtliche, natürlich. So geschehen jüngst nach meiner Physiotherapie. Beschwingt und von meinen Kreuzschmerzen kurzfristig befreit, tänzle ich leichtfüßig die Stiegen hinunter, mache den ersten Fehltritt, indem ich auf der vorletzten Stufe mit dem linken Knöchel überknicke, kann mich nicht mehr halten, verübe in der selben Sekunde den zweiten Fehltritt und überknöchle mit dem rechten Fuß, so schnell kann ich gar nicht schauen. Ich komme schließlich im Erdgeschoß un

Alleine reisen – nur was für Loser ?

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  Eine Reise in den Süden steht ins Haus. Venedig soll es sein. Und allein will ich sie erobern, die Lagunenstadt, die Königin der Adria, die Serenissima. Niemand, nach dem ich mich richten muss, keiner, der mich nervt, ich kann tun und lassen, was ich will, ich esse, wenn ich Hunger habe, ich schlafe, wenn ich müde bin, ich schaue mir an, was ich will. Oder doch nicht? Auf Solo-Pfaden zu lustwandeln hat durchaus seine Vor- und auch Nachteile. Ein Vergleich in 8 Kapiteln. 1) Mit dem Zug gondle ich nach Kärnten, danach geht es laut Fahrplan mit dem Bus weiter, der Zug hat bereits in der Steiermark eine Verspätung, dass die Hälfte genug wäre, mir geht mein Allerwertester auf Grundeis, da ich bange, den Anschlussbus nicht zu erreichen. Für eine Reisebegleitung spricht : Wir hätten gemeinsam Späße über die Situation oder Witze über die möglichen worst-case-Szenarien machen können, wie z. B. dass man am End noch in Kärnten übernachten müsse, um danach lauthals darüber lachen (Steire

(N)immer der Nase nach

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Nun ist es also soweit. Jahrelang haben wir darauf hingearbeitet, jetzt fällt von meiner Familie einer nach dem anderen sowohl aus als auch um: ein bisschen Rotz und Spucke in die adäquaten Gefäße verteilt, ein paar rote Stricherl hier, ein paar behördliche E-Mails und Anrufe dort und ehe wir uns versehen, sind wir Vier ein Teil der täglich verfolgten Statistik an Covid-Neuinfektionen. Be part of   it. Dabei sein und nicht nur zusehen. Das ist das Motto. Tag 1: Ich fühl mich pudelwohl, ein bisschen schlapp vielleicht, könnte aber auch am Frühling liegen, sicherheitshalber lasse ich mich im Zuge meiner morgendlichen Stadtrunde testen. Anschließend zum Frisör, zum Bäcker, ins Lebensmittelgeschäft und auf die Bank. Zuhause putze ich noch den Teppich, den ich noch nie geputzt habe, bringe das Altglas weg, wasche Wäsche, koche, gieße Blumen. So Zeugs eben. Sachen, die nichts wert sind, weil sie nicht bezahlt werden. Abends lege ich mich zufrieden ins Bett und freue mich auf meine Vorhab