Posts

Rehab

Bild
  Was soll ich euch sagen? Ich bin auf Reha. Manchmal lässt man mich das tun. Drei Wochen höchste Konzentration auf mich und meinen speziellen Körper, samt Erholung für Geist und Seele. Das Essen wird mir vor meinen Suppenschlitz gestellt, der Speisplan ist von höchster diätologischer Stelle ausgeklügelt, man kümmert sich um mich, von der knallharten Muki Bude-Betreuung angefangen bis hin zu entspannenden Massagen und Anwendungen. Und man lernt immer wieder schräge bis liebe Leute kennen. So ist der Plan. Und die Realität? Befinde mich ungefähr in der Halbzeit dieses Unterfangens und kann folgendes Resümee ziehen: man ließ mich im Ganglabor mit über die Knie aufgestreifter Hose, Bergschuhen und Schienen auf den Unterschenkeln auf einem Laufsteg, verfolgt von zehn (!) 3D-Kameras, gehen. Dabei sahen 3 Sportwissenschaftler auf 4 Bildschirmen zu, die Aufnahme wurde zudem auf eine Riesenleinwand projiziert. Und das Leiberl musste ich in die Hose stecken, weil sie mein Becken sehen wollten

Weiber!

Bild
  Eine Reise ist geplant. Eine Weiber-Reise, um genau zu sein. Sieben prächtige Frauen machen alljährlich einen Tagesausflug an irgendeinen schönen Ort. Und ich bin dabei. Zuerst wird nach einem passenden Datum gesucht. Per WotSepp-Aussendung. Zurück kommen drei Avatar-Sticker, die irgendwelche Handzeichen geben, vier Smileys und ein paar Sätze, aus denen hervorgeht, dass sich die Terminsuche länger gestalten wird als angenommen: zwei haben in den nächsten sieben Wochen gar keinen Tag mehr frei, drei können nur an ungeraden Ferientagen, eine fährt bei Vollmond sowieso nirgends hin und einer ist es wurscht. Die hat keine Termine und immer Zeit. Die ist langweilig. Das bin ich. Schon zwei Monate, 3.456 WotSepp-Nachrichten und 7 graue Haare später lässt sich ein gemeinsamer Termin fixieren, welch helle Freude! Auch das Ziel ist bald klar: die Landeshauptstadt soll es werden. Wir reisen mit der Bahn. Vier fahren mit dem Auto zum Bahnhof, eine weiß nicht, wie sie hinkommen soll, eine re

Mensch, ärgere dich (nicht)!

Bild
  Ich schreibe ja recht gerne, dies erzeugt eine Spannung in mir, die sich dann wohl auch in einer gewissen Ent-Spannung entlädt, wenn die Geschichte gut geworden ist. Da habe ich eine Grundidee, stelle mir in meinem Geiste die dazugehörigen Kapitel vor und schaue, dass es einen roten Faden gibt. Schnell setze ich mich an meinen Laptop, fahre ihn hoch und klicke auf das Icon für das Textverarbeitungsprogramm. Währenddessen beginnt es in meinem Kopf zu rotieren. Aber nicht etwa zum Thema der Geschichte passend, neeeiiin! - sondern meine Gedanken laufen mit mir davon, während sich das Rad am Laptop mit der verheißungsvollen Mitteilung „Startvorgang“ dreht. Das kann dauern, da habe ich Zeit, mich zum Beispiel über das Finanzamt oder die Krankenkasse zu ärgern, welch letztere mir die Kosten für meine Physiotherapie 4 Monate später noch immer nicht rückerstattet hat und mir schon den zweiten Brief schickt, in dem sie mich auffordert, die Überweisung nachzureichen, obwohl ich diese mit ein

Weg vom Fenster?

Bild
Ein Mutter-Tochter-Ausflug in die Stadt gestaltete sich noch vor ein paar Jahren in etwa so: das Mütterlein, in dem Fall ich, sorgte sich um das passende Fortbewegungsmittel, erkundigte sich vorher ums Weiterkommen in der Metropole, machte sich schlau über Haltestellen, Distanzen, Fahr- und Eintrittskarten, plante den idealen Zeitpunkt und Ort für die Nahrungsaufnahme und sorgte fürs Unterhaltungsprogramm. Das Töchterchen tat nichts außer staunen und genießen. Was in der Zwischenzeit geschah? Ich weiß es nicht. Denn nicht nur mein Jüngster ist mir ja bekanntlich über den Kopf gewachsen, sondern offensichtlich auch der Zeitgeist, der Fortschritt, die Gesellschaft und überhaupt das ganze moderne Leben, samt meiner Tochter. Dies wurde mir beim letzten Trip in unsere Landeshauptstadt wieder mal so richtig gezeigt, wobei noch zu klären wäre, ob ICH der unflexible Depp bei dieser Geschichte bin oder die Welt irgendwie immer vertrottelter wird. Meine Tochter startet unseren Boliden in den f

Knocked out

Bild
  Knocked out.   Mein Kleiner, also mein Jüngster, ist mir über den Kopf gewachsen. Er und alles rund um ihn herum. Gut, man weiß ja, dass die Jugend mit Computern, Handys und Social Media umgeht, als ob man sie schon mittels Muttermilch damit großgezogen hätte, aber dass dieser Kleine, mein Küken und Nesthäkchen, mich mal so ausknocken würde, war mir bis vor kurzem noch nicht bewusst. So geschieht es, dass ich keine Deckel und Schraubverschlüsse mehr öffnen kann, die er zuvor einmal in seinen Griffeln gehabt hat. Das Kindergarten-Trinkfläschchen, das mittlerweile zu einer überdimensionalen Thermo-Clima-Air-up-Performance-Adventure-Urban-Bottle ausgewachsen ist, kann ich nicht mehr reinigen, weil ich den akribisch, mit festem Druck justierten Deckel nicht runter bekomm. Zuerst dachte ich an einen Rheuma-Schub in meinen Fingern. Nachdem ich die Symptome gegoogelt und mich vom schlimmsten Schock erholt hatte, holte mich mein Küken wieder aus meiner Panik raus und räumte ein, dass

Die Vermessung der Frau

Bild
  Es ist wieder mal Frühling, alles wächst und sprießt, die Vögel bauen Nester, die Katzen sind rollig, es wird gerammelt, was das Zeug hält und nur der Mensch muss sich vom Menschen möglichst fernhalten, alle Teile von ihm desinfizieren und sein Gesicht hinter Masken verstecken. Was tut man also mit seinen Frühlingsgefühlen? Es gibt ja jetzt so Dating Apps. Unglaublich viele, so heißt es, die Menschen sehnen sich danach, einander kennenzulernen. ICH war noch nie auf so einer App. Das muss ICH mir nicht antun. ICH doch nicht. Aber eine „Freundin“. Also will ich von dieser Freundin berichten. (meine Nase wächst dabei komischer Weise immer mehr….) Diese Freundin möchte einen Partner haben, jemanden mit dem sie schöne Stunden verbringen kann, der ihr Herz erwärmt und ihren Körper zum Klingen bringt. Ich …. ähm …. also diese Freundin freut sich auf einen kultivierten Typen mit Herz, Hirn und Humor und wartet auf die ersten Herzerl, die ihr virtuell zufliegen: Karli, Martin und Horst

Man wird ja bescheiden

Bild
Ja, ich weiß, „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“. Aber wenn die Pandemie eines bei mir bewirkt hat, dann ist es besagte Bescheidenheit. Und Zufriedenheit mit den kleinen Dingen. Und Demut. Denn nichts ist mehr selbstverständlich. Das Gesicht haben wir alle verloren, versteckt hinter Masken, berühren dürfen sich nur mehr die Pommes auf den McDonalds-Plakaten und gemeinsam ein Gläschen trinken darf man nur mehr, wenn einem zuvor ein Staberl bis ins Hirn geschoben wurde. Ich will mich nun keinesfalls über solche Maßnahmen aufregen, das liegt mir fern. Denn ich habe auch keine bessere Idee, wie man sonst die Sache in den Griff bekommen sollte. Also mach ich halt, so gut es geht, wie man mir befiehlt. Ich bleib ja bei Rot auch an der Ampel stehen und reg mich nicht auf, dass man meine Persönlichkeitsrechte damit einschränkt. Nun aber ist es so, dass ich begonnen habe, mich irrsinnig über Kleinigkeiten zu freuen, da durfte ich z.B. bei einer Shiatsu-Massage me