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Alleine reisen – nur was für Loser ?

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  Eine Reise in den Süden steht ins Haus. Venedig soll es sein. Und allein will ich sie erobern, die Lagunenstadt, die Königin der Adria, die Serenissima. Niemand, nach dem ich mich richten muss, keiner, der mich nervt, ich kann tun und lassen, was ich will, ich esse, wenn ich Hunger habe, ich schlafe, wenn ich müde bin, ich schaue mir an, was ich will. Oder doch nicht? Auf Solo-Pfaden zu lustwandeln hat durchaus seine Vor- und auch Nachteile. Ein Vergleich in 8 Kapiteln. 1) Mit dem Zug gondle ich nach Kärnten, danach geht es laut Fahrplan mit dem Bus weiter, der Zug hat bereits in der Steiermark eine Verspätung, dass die Hälfte genug wäre, mir geht mein Allerwertester auf Grundeis, da ich bange, den Anschlussbus nicht zu erreichen. Für eine Reisebegleitung spricht : Wir hätten gemeinsam Späße über die Situation oder Witze über die möglichen worst-case-Szenarien machen können, wie z. B. dass man am End noch in Kärnten übernachten müsse, um danach lauthals darüber lachen (Steire

(N)immer der Nase nach

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Nun ist es also soweit. Jahrelang haben wir darauf hingearbeitet, jetzt fällt von meiner Familie einer nach dem anderen sowohl aus als auch um: ein bisschen Rotz und Spucke in die adäquaten Gefäße verteilt, ein paar rote Stricherl hier, ein paar behördliche E-Mails und Anrufe dort und ehe wir uns versehen, sind wir Vier ein Teil der täglich verfolgten Statistik an Covid-Neuinfektionen. Be part of   it. Dabei sein und nicht nur zusehen. Das ist das Motto. Tag 1: Ich fühl mich pudelwohl, ein bisschen schlapp vielleicht, könnte aber auch am Frühling liegen, sicherheitshalber lasse ich mich im Zuge meiner morgendlichen Stadtrunde testen. Anschließend zum Frisör, zum Bäcker, ins Lebensmittelgeschäft und auf die Bank. Zuhause putze ich noch den Teppich, den ich noch nie geputzt habe, bringe das Altglas weg, wasche Wäsche, koche, gieße Blumen. So Zeugs eben. Sachen, die nichts wert sind, weil sie nicht bezahlt werden. Abends lege ich mich zufrieden ins Bett und freue mich auf meine Vorhab

Dessous

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  Mütterlein prägte mir dereinst aufs Schärfste ein: „zieh immer eine frische und schöne Unterwäsche an, denn wenn du einen Unfall hast, sehen die Rettungsmänner, wie du beieinander bist und dann kannst dich schämen.“ Dieser Gedanke hat sich dermaßen in mir festgebohrt, dass ich ständig auf der Hut bin, wie ich „drunter beieinander“ bin. Dass diese „Rettungsmänner“, die im Übrigen auch Frauen sein können, in der Situation wahrscheinlich was anderes zu tun haben würden als sich über meine Unterwäsche Gedanken zu machen und dass das Blödere an einem Unfall vielleicht der Unfall selbst samt seinen Schäden sein könnte, behirnte ich wenig bis nie. So geschieht es nach wie vor, dass ich, wenn ich etwas Gefährliches vorhabe – Fensterputzen etwa – zuvor ein Ganzkörperpeeling mache, duschen und Haare waschen gehe und selbstverständlich meine schönste Wäsch‘ aus dem Kasten klaube, um dann erst Stunden später schon völlig erschöpft mit dem eigentlichen Vorhaben zu beginnen. Ich könnte ja von de

Selbst ist die Frau.

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  Selbst ist die Frau. Das war schon immer mein Motto. Im Allgemeinen und auch was das Handwerkliche betrifft. Ich sehe nicht ein, dass ich irgendwas nicht können und kapieren sollte, nur weil ich kein Gemächt habe. Mit dem schraubt man ja schließlich auch nicht. Ein Samstag, an dem sich so gar nichts im Terminkalender findet, eignet sich gut für ein paar Arbeiten in Haus und Garten. Ich beginne mal mit dem Durchlüften aller Räume, lasse die klirrend-kalte Winterluft herein und kümmere mich inzwischen um die neue WC-Bürste, deren Verkaufsetikett nur noch abzulösen ist, um dann einsatzbereit zu sein. Leider löst es sich nicht ab und ich stehe im eiskalten Häusl, wo es von links und rechts aufgrund meiner Lüftungsaktion reinzieht. Deshalb beschließe ich, mich in meinem Bett unter die warme Decke zu kuscheln und den Klopemsl gleich mitzunehmen. solang die Fenster noch offen sind. Man hat schließlich mehr Muse, die hartnäckig klebende Etikette runter zu fitzeln, wenn man dabei im Warmen

Valentinstag - ich bin verloren!

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  Der Psychoterror-Tag für Singles steht ins Haus, da schlagen die Herzen höher. Und zwar nicht nur die der vermeintlich sich Liebenden, sondern vielmehr die der Einsamen, Wenn man nämlich der aggressiven Werbung im Vorfeld glaubt, wird man den Tag ohne Partner wohl kaum überstehen. Im Drogeriemarkt gibt’s das erste Valentinsspecial: Rasierklingen. 6 Stück in einer extra mit Herzen und „be my valentine“-Pickerl beklebten Sonderbox. Nicht zum Pulsadern-Aufschneiden, sondern für die Intimrasur. Nehme ich halt mal an. Und kaufe mir sicherheitshalber 3 Packungen. Verklärt denke ich an die Zeiten mit Seppi zurück, den ein gestutzter Vorgarten immer so verzückt hat. In Memoriam schere ich mich wie ein Schaf und warte geduldig auf den großen Tag und den ebenso prächtigen Mann, der nicht und nicht mehr kommen will. Erst als der etwas juckende Flaum zwischen den Pickeln nach einer längeren Zeit des Wartens wieder ans Tageslicht möchte, fällt mir ein: Ah nein, ups – der Seppi mag mich ja gar n

Rehab

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  Was soll ich euch sagen? Ich bin auf Reha. Manchmal lässt man mich das tun. Drei Wochen höchste Konzentration auf mich und meinen speziellen Körper, samt Erholung für Geist und Seele. Das Essen wird mir vor meinen Suppenschlitz gestellt, der Speisplan ist von höchster diätologischer Stelle ausgeklügelt, man kümmert sich um mich, von der knallharten Muki Bude-Betreuung angefangen bis hin zu entspannenden Massagen und Anwendungen. Und man lernt immer wieder schräge bis liebe Leute kennen. So ist der Plan. Und die Realität? Befinde mich ungefähr in der Halbzeit dieses Unterfangens und kann folgendes Resümee ziehen: man ließ mich im Ganglabor mit über die Knie aufgestreifter Hose, Bergschuhen und Schienen auf den Unterschenkeln auf einem Laufsteg, verfolgt von zehn (!) 3D-Kameras, gehen. Dabei sahen 3 Sportwissenschaftler auf 4 Bildschirmen zu, die Aufnahme wurde zudem auf eine Riesenleinwand projiziert. Und das Leiberl musste ich in die Hose stecken, weil sie mein Becken sehen wollten

Weiber!

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  Eine Reise ist geplant. Eine Weiber-Reise, um genau zu sein. Sieben prächtige Frauen machen alljährlich einen Tagesausflug an irgendeinen schönen Ort. Und ich bin dabei. Zuerst wird nach einem passenden Datum gesucht. Per WotSepp-Aussendung. Zurück kommen drei Avatar-Sticker, die irgendwelche Handzeichen geben, vier Smileys und ein paar Sätze, aus denen hervorgeht, dass sich die Terminsuche länger gestalten wird als angenommen: zwei haben in den nächsten sieben Wochen gar keinen Tag mehr frei, drei können nur an ungeraden Ferientagen, eine fährt bei Vollmond sowieso nirgends hin und einer ist es wurscht. Die hat keine Termine und immer Zeit. Die ist langweilig. Das bin ich. Schon zwei Monate, 3.456 WotSepp-Nachrichten und 7 graue Haare später lässt sich ein gemeinsamer Termin fixieren, welch helle Freude! Auch das Ziel ist bald klar: die Landeshauptstadt soll es werden. Wir reisen mit der Bahn. Vier fahren mit dem Auto zum Bahnhof, eine weiß nicht, wie sie hinkommen soll, eine re