Posts

6. Fahrt: Graz Marathon und eine unfreiwillige Reise in Österreichs Süden

Bild
Ich überlege im Vorfeld lange hin und her, wäge ab, sage zu, bin wieder unschlüssig, dabei ist die Aufregung doch schon so groß: mein Jüngster und mein Schwiegersohn in Spe nehmen samt ein paar Freunden und Verwandten beim Graz-Marathon teil, üben schon lange und hart dafür, zwirbeln sich gegenseitig hoch und pushen sich solange, bis auch jene, die vermeintlich weniger geübt sind, tapfer dort teilnehmen. Wir reden hier von 42,195 km, die man laufend hinter sich bringen muss. Für mich jenseits jeglicher Vorstellungskraft und gleichzeitig eine der faszinierendsten, bodenständigsten Sportarten. Der Gang, der sich zum Lauf entwickelt, ein sukzessives Erobern eines Weges, ohne Hilfsmittel, mit wenig Schnickschnack, einfach ein Bein nach dem anderen. Ein sehr ehrlicher Sport, der besonders mich als Mensch mit Gehbehinderung sehr fasziniert. Ich möchte zusehen und die Jungs supporten, das steht fest. Aber ich habe meine Zweifel und Kalamitäten: Die Straßen sind in Graz an diesem Tag großr...

5. Reise: Leibnitz - Auf der Suche nach jungen Römern.

Bild
Die schönen Herbsttage noch nutzen, den Altweibersommer auskosten, das ist der Plan. Weinberge sehen, bunte Blätter, mildes Klima. Wieder einmal schlägt es mich in den Süden, diesmal steht Leibnitz auf dem Programm. Und ich bin nicht ganz alleine (das bin ich ohnehin selten…), bei mir ist mein Fahrrad. Man weiß es ja nie, wie weit man vom Bahnhof in ein Zentrum zu gehen hat und außerdem habe ich vor, ein bisschen den Römerradweg R6 oder auch Weinstraßenweg entlang zu fahren. Im besten Fall würde er rund um Leibnitz gehen, nicht zu anstrengend und superwunderbarschön sein. Als Ziel setze ich mir „Flavia Solva“, die einzige ausgegrabene Römerstadt der Steiermark. Wie immer bin ich reisefiebrig. Es ist noch dunkel, als ich aus den Federn krabble, und ja natürlich bin ich ausgeschlafen, die klimakterische Bettflucht hat mich voll erwischt und erlaubt mir nach meiner stundenlangen Morgenroutine bereits den 8:00 Uhr-Zug zu erreichen. Er hat ein bisserl Verspätung. Also manchmal: auf der Ap...

4. Fahrt: Graz - werden wir irgendwann mal Freunde?

Bild
  Die Hauptstadt der Steiermark: Graz. Schön, alt, interessant, aber doch ein Dorf, weit weg von anonymer Großstadt, Weltkulturerbe, Shopping-Meile, Traditionsbetriebe, Kunsthaus, Schlossberg, die „Liesl“, Kastner & Öhler, und, und, und. Aber nicht für mich. Leider habe ich ein sehr zwiegespaltenes Verhältnis zu dieser meiner Landeshauptstadt, verbinde ich doch nicht nur Gutes mit ihr. Menschen mit ihrer „The world in Leoben is too small“-Mentalität a la Ex-Vizekanzler Gorbach habe ich an Graz verloren, Krankheiten, Therapien und medizinische Wunder habe ich dort durchgestanden und irgendwie werde ich mit ihr nicht ganz warm. Das würde ich aber gerne ändern, weshalb ein Teil meines Zugfahrprojektes sicher Graz gewidmet sein wird. Besonders im Winter habe ich vor, mich in Museen und Ausstellungen dort umzutreiben, wenn anderswo auf dem Land unwirtliche Zustände wie Glatteis und Schneewechten herrschen würden. Und wo knüpft man am besten an, wenn man irgendwo schlechte Erfahr...

3. Ausfahrt: Eisenerz - wo sind die Häusln?

Bild
Einfach in einen Bus setzen und fortfahren? Ohne viel Planung, ohne viel Aufwand? Nicht genau zu wissen, wo man aussteigt und was einen dort erwartet? Da braucht es etwas, worin ich ganz schlecht bin: Spontaneität und Flexibilität. Und Vertrauen, dass einem zum richtigen Zeitpunkt das Richtige passiert und das Gute in den Schoß fällt. Einfach einmal nicht alles im Kopf durchspielen, für alle Eventualitäten gerüstet sein – für mich sehr, sehr schwierig, zumal ich ja, wenn ich nicht gerade extra noch eine Hungerattacke bekomme, ohnehin bald mal an meine Fortbewegungsgrenzen stoße. Ich kann es mir also aussuchen: Entweder bin ich gerüstet und weiß ungefähr, was mich an Fußmärschen erwartet, während ich aus meinem Jausenproviant schöpfe, oder es wird ein Höllentrip. Dieses Mal nehme ich mir vor, mich im Vorfeld nicht zu viel vorzubereiten und vor allem: nicht aufzuregen. Ganz relaxed und freudig wie ein Kind auf einen Ausflug zuzusteuern: ich setze mich also nach einer kleinen Radfahrt in ...

2. Ausflug: Neuberg mit Zug und Rad

Bild
Warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Ungefähr einmal in der Woche fahre ich nach Neuberg in meinen Heimatort, um meine Mama mit ihren 24-Stunden-Hilfen zu besuchen, nach dem Rechten zu sehen, Sachen zu erledigen und zu besprechen und natürlich den schönen Ort und ein tolles Mittagessen nach rumänischer Art zu genießen. Normalerweise fahre ich mit dem Auto, zumal ich öfters Einkäufe o.ä. zu transportieren habe und die Fahrt mit dem Zug auch in Mürzzuschlag jäh enden würde, geht von dort weg nämlich nur sehr, sehr, sehr, sehr sporadisch ein Bus „in den Graben“. Es wäre natürlich mit viel Einteilung und Disziplin möglich, zusammen mit der Rückfahrt würde dies aber sicher in einem äußerst anstrengenden Tagesausflug enden, der mich vom ersten Hahnenschrei bis zum tiefsten Einbruch der Nacht auf Trab halten würde. Meine Lösung? Ich fahre mit meinem Rad im Gepäck MIT dem Zug nach Mürzzuschlag und strample dann die ca. 12 km einen wunderbaren Radweg entlang zu meinem Elt...

1. Reise: Bad Radkersburg. "Bitte nicht aus der Haut fahren!"

Bild
Ich möchte in den Süden. Bei herrlichem Herbstwetter in die „steirische Toskana“, nach Bad Radkersburg – falls die dort überhaupt ist. Ich möchte über Mais- und Sonnenblumenfelder flanieren und in der lauen Luft zwischen den uralten Häusern spazieren. Ich möchte Leute beobachten und mir dabei ihre Lebensgeschichten ausphantasieren, in der Herbstsonne sitzen und einen Espresso trinken. Es kam anders, dies sei schon mal verraten… Regen ist angesagt. Schon Tage vorher durchforste ich sämtliche Wetter-Apps, schaue mir die Vorhersagen sogar im Fernsehen an und warte ungeduldig auf die Zusendung meines Klimatickets, das man mir nicht sofort ausstellen konnte, sondern – da übertragbar – erst zwei Wochen nach Kauf zuschicken würde. Und es ist knapp: Einen Tag später und es wäre bereits gültig, aber nicht „befahrbar“ gewesen. Es geht jedoch alles gut, das Ticket landet zeitgerecht in meinem Briefkasten und die Wetter-Apps schlagen auch immer wieder auf trockene Phasen um, weshalb ich beschl...