Donnerstag, 30. April 2020

Bin ich im Zoo, oder was?




Abstand halten soll man, haben’s gesagt. Einen so großen wie ein Babyelefant. Gut. Aber wie groß ist ein Babyelefant? Sicher, ich weiß, das ist nur ein reißerisches Beispiel, damit man seinen Mitmenschen ja nimmer zu nahekommt, aber vorstellen kann ich mir trotz intensiver Suche im Internet das sympathische Rüsseltier eigentlich nicht, weshalb ich vor kurzem beschloss, mir meinen persönlichen Babyelefanten zuzulegen. Gesagt getan. Die sind jetzt eh überall im Angebot gewesen. Aber was frisst so ein Viech und wie lang lebt es und wie groß wird es und was macht es eigentlich so den ganzen Tag? Törööööö!



Mein Leben ist anders geworden, seit ich ihn habe. Er leistet mir gute Dienste, das geb ich zu. Wir gehen nebeneinander zum Lebensmittelgeschäft und wenn jemand versucht, sich von hinten an mich ranzupirschen, drängt er sich dienstbeflissen dazwischen. Wenn ich mit dem Rad fahre, läuft er neben mir her und trötet vor sich hin, damit mir kein anderer Radfahrer in die Quere kommt. Wenn der Paketdienst läutet, nimmt er für mich sogar die Packerl entgegen. Und für die Apotheke brauch ich ihn ja auch. Haben’s gesagt. Töröööö…..

Was aber echt etwas nervt, sind ein paar andere Sachen. Duschen mit ihm zum Beispiel ist echt unmöglich, da sprengt er alle Grenzen. Und in der Badewanne führt er sich auf – pfiat di Gott! Jeden Tag die gleiche Überschwemmung und ein Getröte, dass schon die Nachbarn rüber klopften. Törööööö.

Wenn ich im Wald spazieren gehen will, holzt er links und rechts alles ab und so wirklich stubenrein ist das Tierchen halt auch nicht. Frage nicht.

Und erst im Bett! Manchmal lag ja schon ein Mannsbild neben mir und bestand auf einen Sicherheitsabstand zwecks gesundem Schlaf und so weiter. Aber so ein Elefant? Der Rüssel allein ist ja schon dermaßen lang, da war alles bisher Gesehene der reinste Lercherlschas dagegen. Und wenn er sich einmal umdreht, liegt er entweder auf mir drauf oder ich am Boden. Da war das mit den Männern seinerzeit nicht so kompliziert. Ein dreifaches Töröööö darauf!

Eigentlich reicht’s mir jetzt und ich bin froh, dass es bald zu Lockerungen in der neuen Normalität kommt. Da tausch ich ihn dann wieder ein – gegen einen Delphin, hab ich mir gedacht. Die sind ja jetzt eh auch überall.

Dienstag, 21. April 2020

Narrenfreiheit




Masken zu tragen ist primär ja gar nicht so schlecht. Den gesundheitlichen Aspekt jetzt mal außen vorgelassen. Gehen wir nur nach dem Optischen. Wie die Leute jetzt alle hübsch sind, wenn man nur die Augen sieht. Den sogenannten Spiegel der Seele. Herrlich!

Und was man hinter so einer Maske alles anstellen kann…




Ich zum Beispiel fühle eine gewisse Narrenfreiheit und gebe oft meinen Gefühlen ungeniert freien Lauf: wenn sich etwa jemand bei der Kassa vordrängt, schneide ich eine wilde Grimasse, die ich mich in maskenfreien Zeiten niemals hätte machen getraut – vor lauter guter Kinderstube.

Oder wenn ich die Nervige vom Bus sehe, zeige ich ihr unentwegt – stumm, aber sehr deutlich – meine Zunge. Solange, bis sie mir an der Maske picken bleibt. Aber das ist es mir wert. Endlich hab ich dieser Schlampe gezeigt, was ich von ihr halte…

Und weil ich gemerkt habe, dass mich auch die anderen Leute manchmal ziemlich nerven, äffe ich sie jetzt ständig nach, wenn sie sich miteinander unterhalten und sie ihre Verschwörungstheorien und ihr halbseidenes Virologen-Wissen zum Besten geben. Ah bäh bäh bäh bäh bäh…. Unter vorgehaltener Maske selbstverständlich.

Einem jungen Mann, einem richtigen Hottie, der mir unlängst über den Weg lief, schickte ich ein paar unschuldige Busserl nach, man will die Jugend ja nicht verderben und hat ja schließlich Manieren.

Gar noch geiler trieb ich es aber mit einem g‘standenen Mannsbild auf Augenhöhe, indem ich eine äußerst frivole Bewegung mit meinem Zünglein vollführte. Ach, tut das gut! Meine Kinderstube kann mich mal.

Und keiner von denen hat was mitbekommen, das ist das Beste daran.

Oder irre ich mich da etwa? Sind die Augen nicht doch das Fenster zur Seele und jede Bewegung, die man mit seinen ca. 50 Gesichtsmuskeln vollzieht, ist auch in der Augenpartie ersichtlich?

Gott, ist das peinlich, da werd ich mich wohl bei einigen entschuldigen müssen nach der Krise, aber zuerst pfeif ich sicher noch einmal dem g’standenen Mannsbild ordentlich nach und wenn er dann zurückkommt, gehört er mir – für immer, sagt Konfuzius.