Montag, 5. Oktober 2020

Mein persönlicher Lockdown

 Ui… jetzt hab ich lange nichts mehr geschrieben. War sehr beschäftigt.

Angefangen hat es ganz harmlos: Mein Handy war kaputt. Es hat geraucht. Also nicht direkt geraucht, aber es ist binnen Sekunden so dermaßen heiß geworden, dass ich es öfters als Wärmflasche für alle möglichen Körperteile verwendete. Wo das schon überall war! Frage nicht.

Es wusste auch zu viel. Also war es an Zeit abzudanken und für das Neue Platz zu machen. Gekauft war es ja schnell, sämtliche Versicherungen und Schutzhüllen kategorisch abgelehnt und mithilfe meiner Kinder auch bald aktiviert, sprich mit kleinsten Nähnadeln, oder was immer das auch für ein Zeug ist, geöffnet und die SIM-Karte getauscht

Aber meine alten Apps bekam ich nur wieder in geschrumpfter Form, d.h. alte Konversationen und Bilder waren dahin, auf WotSepp wurde ich wie von Zauberhand frisch in irgendwelche veralteten Gruppen hinzugefügt und ich hatte plötzlich wieder Leute unter meinen Kontakten, die ich mit 103%iger Sicherheit gelöscht hatte. Weil ich sie nicht mag. Aber das Netz vergisst nichts. Und alles ist mit allem verbunden und verknüpft und big brother is watching me. Ich weiß.

Ja, und dann war da noch die Waschmaschine. Die nächste Kandidatin. Sie schleuderte mit 120 Dezibel, was die Nachbarn am anderen Ende der Siedlung in den Luftschutzkeller laufen ließ, da sie den Bombenangriff eines Überschallflugzeuges vermuteten. Außerdem zog sie vornehmlich auf den weißen, gewaschenen Höschen braune Bremsstreifen. Frage nicht, wie wir danach alle aus der Wäsche guckten.

Ach ja, und beim Auto gab es einen kleinen Parkschaden, nur ganz minimal, ich krieg halt kein Pickerl mehr, der Blechhaufen rostet mir unter der Hand davon und die offizielle Reparatur kostet 2 monatliche Durchschnittseinkommen.

Und der Geschirrspüler, hab ich eigentlich den Geschirrspüler erwähnt? Der wäscht das in der Waschmaschine so erbärmlich vermisste Weiß mühelos auf das gesamte Geschirr, sprich es ist mit einem Kalkbelag überzogen, dass man meint, man hätte es durch den A… gezogen.

Und dann wurde noch unser zuckersüßes Kätzchen totgefahren. Wir sind untröstlich.



Und mein Radl wurde kaputt, der TV-Kabelanschluss im oberen Schlafzimmer funktionierte nicht mehr, meine Matratze war durchgeritten, der Fotoapparat ließ sich nicht mehr einschalten, die Jalousie im Bad war im Eimer, das Licht im Vorraum unbrauchbar, der Wasserhahn im Bad tropfte und beim Vibs waren die Batterien durchgebrannt. Aber dies sei nur nebenbei erwähnt.

Ich bin also etwas unentspannt.

Und im Prinzip handlungsunfähig. MEIN PERSÖNLICHER LOCKDOWN.

Ich überlegte hin und her, studierte You-Tube-Videos mit Reparatur-Anleitungen, trieb mich in Baumärkten und Elektrohandlungen umher, fuhr mit Klein-LKWs und aß zur Entspannung halt ein bisschen mehr Schoko als sonst.



Ach ja und das Wichtigste: ich hatte vor allem Freunde, die mir in meinem Elend halfen. Freunde, die da waren, als wir die Katze zu Grabe trugen, Freunde, die da waren, als ich mit Zornestränen schon am Dübel-Reinschlagen scheiterte, Freunde, die das Auto mir nix dir nix pickerltauglich machten und Freunde, die mich mit köstlichen Einladungen und amüsanten Kurzreisen immer wieder bei Laune hielten. Ich danke euch.

Es geht nicht alleine. Es geht nicht gegeneinander. Es geht immer nur MITEINANDER. BEI JEDEM LOCKDOWN.