Montag, 27. Mai 2019

Amore, Amore - mit einem Wisch ist alles weg.


Gott sei Dank ist dieser Frühling heuer nicht so intensiv, es blüht zwar alles in herrlichster Pracht, aber es ist nicht lau, es ist nicht warm, es ist nicht heiß und was das Beste daran ist: es duftet nix, weil’s dauernd regnet. Vom warmen Duft, von den Wogen, die da so aphrodisierend rüber schwappen zu mir, bekomme ich ja sonst immer so ein Kribbeln im Unterleib, wo ich als Unbemannte nicht recht weiß, wohin damit. Zugegeben, es kribbelt auch heuer ein bisschen, aber das dürfte meine überlastete Hüfte sein, die sich mit ihren furchterregenden Abnützungserscheinungen immer wieder bei mir meldet.

Außerdem bin ich verwirrt, ich weiß eigentlich nicht, wie die Männer so ticken, was die so wollen und brauchen, wo man sie halt sein lassen muss wie sie sind oder wo sie herausgefordert werden wollen. Oder wollen sie nur ein bisschen spielen oder brauchen sie eine Frau auf Augenhöhe? ICH WEISS ES NICHT!!!

Nach dem Motto „Was frisst so ein Partner überhaupt und wie alt werden die?“ wage ich mich wieder mal auf die virtuelle Piste, nachdem ich feststelle, dass ich trotz allem noch nicht ganz tot bin und mir vorkommt, dass dort, wo es kribbelt, gar keine Hüfte mehr ist.

So versuche ich mein Glück, Amore, Amore zu finden, eben halt – wie es jetzt so modern und zeitgemäß ist – mit einer App. Es gibt ja schon für alles eine App und deshalb hab ich auch bald die passende für mich gefunden. DA ist was los! Halleluja! „It’s raining men“, zur Abwechslung mal. Da kann sich das Mai-Schlechtwetter hintanstellen. Ein Sammelsurium an Mannsbildern, mit Bart, ohne Bart, mit Hut, ohne Hut, mit Haare, ohne Haare, mit Glatze, ohne Glatze (oder ist das das gleiche?), mit Bärli-Baucherl, mit Six-Pack, mit Sonnenbrillen, mit 8-Dioptrien-Einmachgläsern vor den Sehschlitzen, mit Bierdose in der Hand, mit weißen Tennissocken in den Sandalen, VOR einem Auto, AUF einem Auto (keiner ist UNTER einem Auto – Gott sei Dank!), auf der Maschine, auf dem Berg, im Fallschirm baumelnd …. Was weiß ich wo und wie noch überall. Einer hält eine Flöte in der Hand (ich hoffe, es ist eine Flöte!), ein anderer ein Buch, der dritte steht mit einer Glock da. Den will ich schon mal nicht, das steht fest.

Aber man soll sich ja nicht so auf die Äußerlichkeiten fixieren, weshalb ich eher bei den Charakterbeschreibungen der Kandidaten verhaften bleibe und mir schließlich drei Prachtexemplare von Mannsbildern herauspicke und eine Konversation mit ihnen starte.

Doch irgendwie ist der Wurm drinnen, weil ich ja, wie schon erwähnt, nicht weiß, wie die ticken. Nach einer Zeit des Hin- und Hertippens SCHREIBT der Erste: „du bist eine sehr tiefgründige Frau mit vielen guten Ansichten und scheinst einen sehr starken Charakter zu haben, bist weltoffen, tolerant und offensichtlich sehr resilient. Man kann mit dir sicher Pferde stehlen und sich hundert Prozent auf dich verlassen. Außerdem bist du humorvoll und offenherzig.“

Und MEINEN tut er: „Die ist mir viel zu kompliziert, da fi…e ich lieber das hilflose Haserl aus der Nachbarschaft,“ und wischt mich mit einem Fingerstreich weg.

Recht hat er. Pferde kann man mit mir nämlich eh nicht stehlen, da bin ich nämlich allergisch drauf, das hat er nicht überrissen, der Depp.


Der Zweite SCHREIBT: Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, ich vermisse dich, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl, Herzerl.“

Und MEINEN tut er: „Ich brauche ein Nesterl, ich brauche die Wärme meiner Kindheit zurück, ich brauche eine Putze, eine Mama und jemanden, der mich für immer und ewig liebt.“

Ja, bin ich denn in einem Rosamunde-Pilcher-Film? Ich schicke ihm ein grünes Herz retour und mit einem Wisch entfernt er mich. Es waren ihm zu wenige Herzerl - und nicht rot genug.

Der dritte Reinfall SCHREIBT: „Wau ihr Frauen hir seit ale So Geill das ich mit jeder auf einen Café gehen will.“ Und MEINEN tut er eigentlich: „Wow, ihr Frauen hier seid alle so geil, dass ich mit jeder auf einen Kaffee gehen will.“ Aber viel weiter kommt er nicht beim Schreiben, denn DEN wische ICH weg, so schnell kann der gar net schauen. O Herr, lass Hirn regnen!



Nach diesen Erfahrungen beschließe ich, zum Orthopäden zu gehen und dem mal meine Hüfte zu zeigen. Vielleicht ist’s ja doch eine handfeste Arthrose und ich erspar mir diese blöde App.

Sonntag, 5. Mai 2019

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Ich shoppe. Wieder einmal. Im Internet.

Bestelle mir bei „Snob-Apotheke“ Baldrian-Beruhigungsperlen, einen Hornhaut-Schaber und eine Enthaarungscreme. Via Internet deshalb, weil die Verkäuferin im regionalen Drogeriemarkt ja nicht unbedingt wissen muss, dass ich ein haariges Plüsch-Nerverl mit Grind-Haxen bin. Was folgt, ist eine, mehrere kostbare Lebensmomente dauernde Zeremonie, um überhaupt einen Account in der „Snob-Apotheke“ samt gültigem Passwort zu erstellen. Ich gebe meinen Vornamen ein (wie originell!), dazu ein paar Hashtags und Fragezeichen. Der „Snob“ schreit: Viel zu unsicher, viel zu kurz. Ich erweitere auf den Nachnamen, das Geburtsdatum, Prozentzeichen und Fragezeichen. Der „Snob“ schreit schon wieder. Die Kleinbuchstaben tausche ich gegen große aus und beim Geburtsdatum schummle ich um 20 Jahre vorwärts. Wenn die von der Apotheke mich sehen könnten, würden sie mir den ranzigen End-Vierziger sowieso nicht abkaufen, denk ich mir noch und mach aus dem 69er gleich einen 39er. So fühlt es sich besser an. Der „Snob“ schreit schon wieder. Alles so unsicher, zu wenige Sonderzeichen und zu viele Semikolons und überhaupt und außerdem… Ich schwindle zum eigenen Namen den meiner Kinder und Eltern dazu, füge meinen aktuellen Cholesterinwert und den Geburtsort meiner Altvorderen bei und bin schließlich sehr zufrieden, als der „Snob“ es auch ist.

Ich drehe mich um und vergesse das Passwort. Dann freue ich mich auf meine Bestellungen. Elefantenhaut adé, sanfte Gelassenheit und Gleichmut in allen Lagen – und kein Härchen stört dabei im lauen Frühlingsglanz.


Irgendwie werden die Produkte aber nicht geliefert. So steige ich nach Tagen wieder in der „Snob-Apotheke“ ein und muss feststellen, dass ich das Passwort offensichtlich nicht akribisch genug konfiguriert habe. Der „Snob“ brüllt. Schon wieder. So nehme ich mir meine handgeschriebene Passwort-Liste zur Brust, wo ich eine Reihung von ca. 27 verschiedenen Online-Portalen vor mir habe samt gültigen Einstiegen:

Beim Pibi-Fotoshop hab ich mein Gewicht aus dem Jahr 1988 mit dem Notendurchschnitt meiner Matura (in Worten) angegeben; bei der Bank kombinierte ich einst den Firmennamen samt der drei Vornamen meines Arbeitgebers mit dem windigen Gehalt, das ich seinerzeit erhielt; bei der Telefongesellschaft nahm ich das Wort „Viertelanschluss“ mit den Kennenlerndaten meiner 3 besten Freundinnen und beim Versandhaus meiner Wahl fiel mir etwa „IssNichtJedenTagSchokolade“ ein , verziert mit meinen 90-60-90 Maßen und 3 dicken Fragezeichen. Das Ferienhaus-Online-Portal reagiert nur auf „DasLebenIstKurzNimmDirZeitFürMEER“ samt dem Datum meines letzten Urlaubs (ist zwar schon aus den 2000er Jahren, ansonsten aber sehr verstaubt) und in meinen Blog komm ich nur, weil ich das Passwort offensichtlich auf allen Computern und Handys im Haus gespeichert hab.

Was also bleibt, ist der „Snob“: ich komm und komm nicht mehr drauf, werde schließlich von der Seite gesperrt und warte bis heute auf meine seinerzeitige vermeintliche Bestellung.

Nun kauf ich wieder beim regionalen Dienstleister. Mir doch wurscht, ob die Verkäuferin sich denkt, dass ich eine vertrocknete Ziege mit Nervenschwäche bin, denn mittlerweile lautet mein Passwort stets und überall „HashtagRutschtsMirDochDenBuckelRunterKrawutziKaputziDotCom“