Samstag, 24. März 2018

Wot-Sepp


Oma hat bald Geburtstag. Was wünscht sich Oma? Wird sie feiern? Will sie einen Ausflug machen oder gut essen gehen? Möchte sie Besuch bekommen oder im stillen Kämmerlein den Tag verbringen? Und was sagen überhaupt die Kinder und Opa dazu?

„Was tun, sprach Zeus“ – und gründete eine Wot-Sepp-Gruppe.

5 Gruppenmitglieder:

alter Sohn,

Tochter,

junger Sohn

Oma herself

und ich als Admin.

Gruppenbild erstellt: ein aus dem Internet geklautes Foto eines Henderls mit Hütchen.

Gruppenname hinzugefügt: Hoch lebe uns’re Omama!

Benachrichtigungen: nicht stummschalten.



Oma: „Mein Gott, wos isn deis? Wo bin ich da jetzt reingeraten? A Gruppn – jö, wie liab! Griaß Eich! Mein Mäderl, wie geht’s dir denn? Bist eh immer schön warm angezogen? Und Burschen, was macht euer Schnupfen? Ist er schon besser? Sonst bring ich euch noch einen guten Tee vorbei, Holler mit Lindenblüten – der putzt euch so richtig durch! Und Dirnderl (sie meint MICH damit!), wie geht’sn Dir? Hast noch Knieschmerzen?“


Tochter schickt 3 Herzen und 4 Daumen-hoch.

Junger Sohn: „Oma, das ist eine Gruppe, damit wir deinen Geburtstag organisieren können. Was wünscht du dir denn? Was sollen wir dir kaufen?“

Alter Sohn schickt ein 9-minütiges Video von einem Mann, der ins Krankenhaus mit ‚Männerschnupfen‘ eingeliefert wird und daran fast zugrunde geht.

Oma schickt 3 ‚Lach-mich-schief-Smileys‘ und den Text: „geh, Kinder, ihr müsst’s ma doch nix kaufen, ich hab ja eh alles. Tut’s euch euer Geld doch sparen. Ich brauch gaaaaar nichts….“

Ich: „Aber Mama, wir wollen dir doch eine Freude machen, wir wollen dir was schenken, was du dir vielleicht selber nicht unbedingt gönnen würdest. Einen Wellnesstag vielleicht oder einen Städtetrip?“

Oma schickt 6 Affen, die sich die Augen zuhalten und schreibt: „aber wo denkst denn hin, Dirnderl, meinen Wellnesstag mach ich im Garten mit einem Häferl Schafgarben-Tee. Gar NICHTS will ich, gar nichts! Ich hab alles.“

Tochter schickt ein GIF, aus dem hervorgeht, wie stolz wir sind, dass wir eine Oma haben, gespickt mit tanzenden Bärlis und Herzerln.

Junger Sohn schickt ein 15-minütiges Video über Max und Moritz.

Ich: „Aber wenn du dir nichts schenken lassen willst, dann könnten wir doch wenigstens schön essen gehen, oder?“

Oma: „Wegen mir braucht‘s Euch gar nichts antun… ich brauch gar nix… aber wartet’s, der Opa sagt da grad was im Hintergrund… er schlägt vor, zum „Beuschlferdi“ zum Essen zu gehen. Der hat Schlachtwochen, das wird lecker! DAS könnten wir machen!“

Tochter: „Gibt’s da auch was Vegetarisches?“

Oma: „Ich glaub schon, der hat sicher auch Speckknödel oder Schinkenfleckerl oder so ein veganes Zeugs….“

Alter Sohn schickt ein 7-minütiges Aufklärungs-Video über den Unterschied zwischen Pescetarier, Frutarier und Veganer.

Junger Sohn sendet 3 Lachsmileys und die Aufklärung für Oma: „Aber Speck und Schinken ist doch auch von einem Tier, Oma!“

Tochter schickt ein 13-minütiges illegales Video über einen Schlachthof, anschließend ein Selfie, auf dem sie ein „Duckface“ macht. Auch nicht ganz vegetarisch, so eine Ente…

Oma: „Aber geh! Früher haben wir gar nix zum Essen gehabt, seid’s doch froh, dass ihr überhaupt satt werdet, wie kann man denn so heikel sein?“

Alter Sohn legt mit einer 20-minütigen Dokumentation über Kinder aus dem Sudan nach.

Oma schießt einen Trailer über „80 Jahre Anschluss“ in die Gruppe mit 2 anschließenden Zeilen voller trauriger Smileys.

Alter Sohn: „Ist in dem Essen vom Beuschlferdi irgendein Nuss-Zeugs drinnen, denn da bin ich ja allergisch…“

Tochter: „So ein Lauch! Wie kann denn in einem Beuschl eine Nuss drinnen sein…, kriegst gleich selber eine auf die Nuss!“

Alter Sohn markiert Tochter und schickt 2 Kackhaufen, dann 4 Nüsse und abschließend wieder 2 Kackhaufen.

Benachrichtigungen werden stummgeschalten.

Ich: „Jetzt reicht’s aber! Schluss mit der Streiterei! …Vielleicht sollten wir uns aber schon erkundigen, ob der Beuschlferdi mit Kürbiskernen verfeinert, denn da hab ICH eine Allergie und Fleisch mag ich auch nicht so bsonders…“

Oma: „Wenn ihr kein Fleisch esst, dann werdet ihr krank! Dirnderl, du hast eh manchmal so Knieschmerzen, iss doch mehr Fleisch! Wir könnten ja das Schlachtmenü für 6 Personen bestellen. Der Opa freut sich schon!“

Kleiner Sohn schickt ein Video über Gichterkrankungen unserer Wohlstandsgesellschaft (und ich wundere mich, wo er das herhat), anschließend ein GIF mit tanzenden Osterhasen, die sehr stolz auf ihre Großeltern sind.

Oma schickt 4 Zeilen Herzen. Anschließend: „Oder, wisst’s was, ich koch euch einfach was Schönes – wenn ihr kein Fleisch esst, dann koch ich halt ein Henderl“

Junger Sohn sendet 8 Lachsmileys, kann sich den Affen, der sich auf den Kopf greift, dazwischen aber nicht verkneifen.

Oma: „Geh, das kann doch wohl net wahr sein! Was war denn da schon wieder falsch?“

Alter Sohn: „Na ja, solang das Piperl keine Nuss in der Kloake stecken hat…“ Lach-mich-schief-Smiley, lach-mich-schief-Smiley.

Tochter: „Oma, machst halt was aus Mangold, Avocado, Kombucha, Topinambur, Soja oder Humus“

Ich: „Nein, bitte, wegen uns brauchst keine Extrawürste machen!“

Kleiner Sohn: „die Extrawürste sind auch Fleisch, Mama!“ Lach-Smiley, Finger-belehrend-hoch-Emoticon. Anschließend ein GIF mit einem Deppenapostroph und den Worten: „Mama’s haben immer Recht, außer natürlich die Oma befindet sich im Raum.“

Ich erspare mir die Rechtschreibkorrektur, mir ist das jetzt alles zu blöd hier. Ich schalte das W-LAN ab, binnen 4,3 Sekunden sind meine Kinder wie Pfitschipfeile alle im Wohnzimmer versammelt und wir beschließen, zu Oma auf einen Holler-Lindenblüten-Schafgarben-Tee zu gehen.

Oma hat die Gruppe verlassen.

Keine weiteren ungelesenen Meldungen.

Donnerstag, 15. März 2018

Bussi Bussi


Busseln – eine Frage der Körpergröße?


Das Busseln – ich persönlich mag’s ja nicht. Ok. Ich mag recht viel nicht, das wird mir immer klarer. Bin eine „Anti“, ich weiß. Aber das blöde Busseln ist ja wirklich ganz umsonst, oder? Und ich rede hier nicht von heißen Zungenspielen mit feurigen Liebhabern, da wär ich natürlich sofort dabei – nein! Ich rede von dieser albernen Bussi-Bussi-Manier, die mich schon mein Leben lang verfolgt und, so scheint’s, immer gesellschaftsfähiger wird. Manchmal komm ich mir vor wie bei den Franzosen in „La Boum – die fete“, da gab man schon vor 37 Jahren jedem Wildfremden zur Begrüßung ein Bussi links und ein Bussi rechts. Dabei weiß ich noch immer nicht, ob die Richtung überhaupt passt. Muss man nicht zuerst rechts und dann links? Oder vielleicht sogar noch eine dritte Richtung dazunehmen? Also nicht „Richtung“, ich meine damit, man muss doch manchmal dann wieder bei jener Wange aufhören, bei der man angefangen hat. Die Relativitätstheorie ist der reinste Lercherlschas dagegen…

Wehret den Anfängen


Schon in jungen Jahren quälte man mich, irgendwelchen Dahergelaufenen ein „Schnufi“ oder „Schnoferl“ zu geben, man musste schließlich das Kaffeekränzchen bei Tantchen irgendwie über die Runden bringen – und das konnte sich ziehen! Igitt!

Schlimmer wurde dann die Phase, als reihenweise Männer fortgeschritteneren Alters mit Bauchhose von einem „Zwickerbussi“ schwärmten und ich jahrelang keine Ahnung hatte, was das überhaupt ist, was natürlich inkludiert, dass ich mich erfolgreich dagegen gewehrt habe und mit meinem Hinkebein gelaufen bin, was das Zeug hielt. Dass es sich dabei um das vermeintlich liebevolle Zusammenzwicken der Wange, gepaart mit einem Kuss auf den Mund, handelt, und dies keineswegs angenehm ist, versteht sich von selbst. Brrrrrrr

Die nicht ganz so gamsigen Pensionisten gaben sich immerhin mit einem „Ei-L“ zufrieden. Ei – Ei – Wangerl reiben, bewaldete Fettbacke an kindlich-frisch-saftig-steirisches Apfelgsichterl. Ach, lasst’s mich doch alle in Ruh‘ mit Euren vertrottelten Bräuchen!

Aber dann ging's erst richtig los!


Diesen ganzen Albernheiten entwachsen geglaubt zu sein, geht’s aber nun erst so richtig los: jetzt muss ich reihenweise FRAUEN küssen - bei jeder Gelegenheit gibt man sich ein Bussi rechts, ein Bussi links – die ganz hartgesottenen Weiber küssen einander sogar auf den Mund – auch schon erlebt….

Man küsst die beste Freundin (ich werde nach diesen Zeilen kein Bussi mehr kriegen oder im schlimmsten Fall keine Freundinnen mehr haben, das ist mir hiermit bewusst geworden….), man küsst die Nachbarin, man küsst die Tante, man küsst die Nachbarin der Tante, man küsst die Mutter der Freundin und im schlimmsten Fall auch noch deren Mutter samt Freundin, man küsst, … man küsst …ich warte auf den Tag, wo ich die Lebensmittel-Verkäuferin halse, weil die Gurken wieder mal soooo perfekt in einer Reihe liegen, der Apothekerin aus Dankbarkeit ein Busserl geb, wenn sie mir wieder mal das Darmreinigungsmittel mit verstohlenem Blick über den Tresen reicht oder wenn ich die Beraterinnen bei Bank und Versicherung mit Bussi Bussi begrüß, weil mit denen muss man sich ja ohnehin gutstellen. Der Tag wird kommen und ich schmus die Kinokartenabreisserin, die Toiletten-Frau, die Taxichauffeurin und die Briefträgerin ab, ihre Dienstleistungen sind schließlich nicht zu unterschätzen…

Ohrenschmaus


Warum ich offensichtlich solche Probleme mit der Busslerei hab? Das ist ganz pragmatisch erklärt: Ich bin zu groß! Zu groß zum Busseln! Meine Gesamtlänge überschreitet das Durchschnitts-Weiberl um einiges, dito mein Gesichtsdurchmesser samt Haarumfang. Und daraus resultieren dann die massiven Kuss-Probleme: Um zum Gesicht des kleineren Weibchens zu gelangen, muss ich mich blitzartig bücken – solche Rituale müssen ja schnell und geschmiert vor sich gehen -  gehe dabei aber nicht in die Knie, sondern mache ein extremes Hohlkreuz und strecke mein hängendes Gesäß wie eine Ente in den Wind, wobei ich zeitgleich mit dem Oberkörper versuche, das Kussobjekt in entgegenkommender Weise zu erhaschen. Habe ich dies geschafft – und frage nicht, welches Bild ich da oft auf Fotos von diversen feierlichen Anlässen abgebe – muss ich abrupt abstoppen, um mit meinem großen Gesicht nicht das ihrige zu verfehlen und statt der Wange einen Kuss in ihr wertes Ohr gebe. Nicht erst einmal ist es mir passiert, dass ich ein Frauenohrwaschl im Mund hatte. Beruhigend an der Sache ist natürlich, dass es die gesellschaftlichen Gepflogenheiten nicht von mir verlangen, auch noch mit der Zunge zu agieren, sonst könnte ich mich als unentgeltlicher Ohrenschmalz-Ausputzer bewerben. Die Wattestäbchenindustrie wäre am Ende. Und ich hätte einen zukunftssicheren Job.


So manche riecht nach Rosenwasser,
so manche stinkt nach Geld aus Kassa.
Eine riecht nach Kellermotte,
die and’re nach der „flotten Lotte“.
Jene stinkt nach Schnitzelfett,
diese nach dem warmen Bett.
Die hier riecht verdammt nach Rauch,
das tu ich manchmal leider auch…
Manche müffelt aus dem Mund,
manche riecht nach ihrem Hund.
Eine hat nen Lauch gegessen,
die and’re kommt vom Fiebermessen.
Rotzi Rotz und viel Hatschi,
des richt’ge Busseln lern i nie!

Mittwoch, 7. März 2018

Das Leben ist (k)ein Musical


Music was my first love, and it will be my last.


Musik – ich liebe sie ja! – mit Musik kann man so viel ausdrücken, so viel sagen….man kann Geschichten erzählen, Stimmungen rüberbringen, Gefühle erzeugen. Ich selber bin ja völlig unmusikalisch dh ich kenne keine einzige Note, kann nicht Stimmhalten, wenn jemand neben mir einen Ton anders singt, bin aber trotz meiner absoluten Schweinsohren von Klängen relativ angetan und lasse mich immer und überall beschallen. Dass ich manchmal sogar dazu tanze („dance as if nobody’s watching“), ist eine andere Geschichte...

Apropos Geschichten erzählen: das Wechselspiel zwischen Mann und Frau – oder das, was die beiden manchmal so sehr voneinander trennt – ist bereits in der deutschsprachigen (Schlager-) Musikgeschichte festgeschrieben:

Was Männer wollen:


Das weiß man(n/frau) nicht so recht. „Schön ist es, auf der Welt zu sein, sagt die Biene zu dem Stachelschwein“, dürfte mal so der ersten männlichen Philosophie entsprechen, ohne dabei viel nachzudenken, „i wü nur Schifoaaaaaaaaann, weil Schifoaaaaaaann is des leiwandste, wos ma si nur vurstön kann“, folgt gleich auf den Fuß, gemeinsam mit „Ich fahre mit dem Auto, alles geht so schnell. Rechts der Berg, links die Schlucht. Und über mir der Himmel so blau blau blau. Ich fahre mit dem Auto.“ Schön wär dann auch noch ein „Motorboot, Motorboot – ruadarn turi nur zur Not“. Und für die Hormonstaus gibt’s ja auch rein theoretisch immer eine Lösung, „weil jeder, den die Sehnsucht quält, ganz einfach Rosis Nummer wählt“. Aber manchmal, ja manchmal da schluchzen die Manderl gen Himmel: „I bin jo so allan, kana mog mi, i kann nur wortn und hoffen auf di“, denn „Männer weinen heimlich, Männer brauchen viel Zärtlichkeit, Männer sind so verletzlich, Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich…“

Was Frauen wollen:


„Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann…“, trällert sie vor sich hin, während der „Hochsaison im Eissalon“, obwohl ihr das Gelato di Stracciatella mehr als nur mundet. Frustnaschen. Das Ganze kann umschrieben werden mit „Einsamkeit – hat viele Namen, viele Namen, doch einen nur für mich“. „Ich will nen Cowboy als Mann, dabei kommt’s mir gar nicht auf das Schießen an, denn ich weiß, dass so ein Cowboy küüüüüssen kann!“ gibt sie von sich und äußert ihren größten Wunsch „ich war noch niemals in York“, wo sie auch unbedingt mal hinmöchte. Mit dem Cowboy natürlich.


Und „irgendwann, irgendwo, irgendwie“ kommt’s dann zu einer ersten Begegnung der beiden Geschlechter. Sein: „Du entschuldige, i kenn di…“ gehört nicht unbedingt zur Meisterklasse unter den Aufreißsprüchen, aber er legt ja noch nach: „Küss die Hand, schöne Frau, ihre Augen sind so blau, tirili tirila tirilo“

„Schöner fremder Mann, du bist lieb zu mir“, zwitschert sie zurück und lacht. „Sie ist die eine, die immer lacht, die immer lacht, die immer lacht!“

„Du hast die Haare schön, du hast, du hast die Haare schön“, raunzt er geschmeidig und zirpt weiter: „Schatzi, schenk mir ein Foto“, denn „für dich soll’s rote Rosen regnen“.

Wenn dann die ersten Balzrunden ausgeführt sind, geht man schon mal in medias res. Er: „Ich bau dir ein Schloss, das in den Wolken liegt“ – aber nur „wenn ich einmal reich wär, tiwitiwitiwidumm“. Das Weiberl ist aber noch nicht so ganz zufrieden und raunzt: „so when you really love me, darling, bring me Edelweiss“, jetzt spricht sie Englisch, sie will ja schließlich mal nach New York. Aber er hat einen anderen Vorschlag: „Schnucki, ach Schnucki, fohr ma noch Kentucky“. Amerika immerhin. Und sie lacht. Sie ist ja die eine, die immer lacht.

Jetzt geht's zur Sache, Schätzchen


Irgendwann dann, wenn die trockene Theorie abgehandelt ist, geht’s auch körperlich zur Sache, welchen Akt er einleitet mit „Rote Lippen soll man küssen, denn zum Küssen sind sie da“, woraufhin sie Schlafstörungen vorschützt mit den Worten „ohne dich schlaf ich heut‘ Nacht nicht ein“ und er ein erlösendes „ein Bett im Kornfeld, das ist immer frei“ von sich gibt. Nun gut. „Schuld war nur der Bossanova“, das sei schon mal verraten, denn plötzlich spricht das Weibchen Französisch: „voulez yous couchez avec moi?“. Französisch ist in diesem Zusammenhang immer gut, findet er und er lässt sie weiterbrabbeln. Doch dann kommt wegen männlicher Orientierungslosigkeit schon die erste Anweisung von weiblicher Seite: „Sie müssen erst den Nippel durch die Lasche ziehen“, woraufhin er endlich ihre „Insel mit zwei Bergen“ zu Gesicht bekommt. „Anna, lass mich rein, lass mich raus“, um was anderes geht’s ihm jetzt gar nicht mehr. „Ich will Spaß, ich will Spaß, ich geb Gas, ich geb Gas“, ist sein Motto und „ich düse, düse, düse, düse im Sauseschritt“. Irgendwann hält er inne und fragt: „Montag, Dienstag, Mittwoch… oh, wann kommst du?“ Beide sind „atemlos durch die Nacht“ unterwegs, doch sie raunzt wenigstens beim Abschied höflich: „Junge, komm bald wieder!“ Und sie lacht, sie ist nämlich die eine, die immer lacht.

Danach folgt meist eine Phase der Hochgefühle. Nach einem dankbaren „Merci cherie“, das er sich aber nur denkt und sich niemals zu sagen wagt, schmiedet er schon wieder Pläne für die Zukunft: „I klau für di den Eifelturm und woart auf di im größten Sturm - weil i di mog“. Sie war aber noch niemals in New York – kapiert denn das der Typ nicht? Und dann geht’s erst so richtig los mit dem Gesülze: „Marmorstein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht“, „verdammt, ich lieb dich“, „dein ist mein ganzes Herz“, „die berühmten drei Worte“ bis hin zu „ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß, so siehst du in meinen schönsten Träumen aus“, bis er sich selber mal zuhört und erschrocken ausruft: „zwickt’s mi, i man i tram, des derf net woahr sein, wo samma daham? Er bemerkt nämlich, dass sie nicht nur „a Herz hat wia a Bergwerk“, sondern auch ihre Zähne so aussehen. Und alles andere flattert auch „wie ein Segel im Wind“. „Du kannst nicht immer 17 sein, Liebling, das kannst du nicht“, flüstert er ihr noch beschwichtigend ins Ohr und dann schreit es laut in ihm: „I wü wieda ham, i fühl mi do so allan, i brauch ka große Wöd, i wü ham noch Fürstenfeld!“ Nix is mit New York, nix mit’n Eifelturm (obwohl er ihr Französisch so sehr liebte) und nicht einmal mehr Kentucky geht mehr sich aus.

Die Laune sinkt etwas...


„Ich fang nie mehr was an einem Sonntag an“, schluchzt sie inzwischen und ihre beste Freundin hinterfragt das ganze Treiben mit „Warum hast du nicht nein gesagt?“ Die Sache ist verfahren. „Es fährt ein Zug nach nirgendwo…“

Nun denn, auf jeden Fall wurde aus Spaß Ernst. Ernst ist jetzt 3 Jahre alt. Er fiept: „Oh, mein Papá war eine große Clown“ und „Maaaaaaama, du sollst doch nicht um deinen Jungen weinen“ Tut sie eh nicht. Sie ist nämlich die eine, die immer lacht.

Die Sache zwischen Männchen und Weibchen spitzt sich aber gehörig zu, zuerst beginnt sie zu stänkern: „Wennst amoi noch so hamkummst….“, woraufhin er antwortet „was soll das?“ und „I hob längst vergessen, wie schön’s mit dir (=auf dir) woar“ . Sie wünscht sich bloß „ein bisschen Frieden“, spürt aber, sie sind beide bereits „Jenseits von Eden“. „Ach, wärst du doch in Düsseldorf geblieben“, schreit sie ihn an, denn „du hast mich tausendmal belogen!“

Er tröstet sie zwar noch mit einem süffisanten „Liebeskummer lohnt sich nicht, my darling“ und „immer immer wieder geht die Sonne auf“, sie aber denkt nur mehr: „Ich wünsch dir Hölle auf Erden, wenn du heut‘ gehst“. Und so wird es auch geschehen: denn auch für ihn kommt „immer wieder Sonntag die Erinnerung“ und er erkennt: nun ist er „gezeichnet fürs Leben“, denn „ana hot immer des Pumerl“. Ja, „die Liebe ist ein seltsames Spiel“, dämmert es ihm und er führt sein „potschertes Leben“ allein weiter.

Dabei wollte sie doch nur einmal nach New York - und jetzt ist sie die eine, die NIMMER lacht

Donnerstag, 1. März 2018

Shopping Queen(s and Kings)

Kandidaten:


Kandidat 1: männlich, Teenager, reifere Ausgabe, Fleisch und Blut von Hinkelotta, Prototyp 1

Kandidat 2: weiblich, Teenager in Höchstform, Sandwich-Kind aus dem Hause Hinkelotta

Kandidat 3: männlich, dem Kindchenschema entwachsen, dritter Spross von Hinkelotta

Kandidat 4: weiblich (– man glaubt es anhand des Shoppingverhaltens kaum!), Hinkelotta höchstselbst.

….und Guido, Guido ist ja da immer irgendwie dabei.

Die Show beginnt - Kandidat 1 wirft sich in Getümmel:


Besonders mit meinem Großen sind Shopping Touren ein Erlebnis: Er betritt das Geschäft und steuert zielsicher auf den ersten Gewandständer zu, ohne sich zuerst einen Überblick über das gesamte Angebot zu verschaffen und krallt sich an diesem fest: T-Shirts. Ca 34 Stück hängen da von einer einzigen Farbe und Fasson, in sämtlichen Größen. Er schaut sich begeistert jedes einzelne extra an und scheint sehr interessiert daran zu sein, hat jedoch augenscheinlich keine Ahnung, was er da tut, tut dies aber mit höchster Akribie.

Ich stehe ihm ein wenig zur Seite, will ihn aber weder bevormunden, noch ihm meinen veralteten Modegeschmack aufdrängen, weshalb er es nach einer halben Ewigkeit schafft, ein paar Fetzen in die Umkleidekabine zu tragen, wo aber die Sache erst so richtig losgeht: da werden dann die Kleiderbügel und die dort achtlos platzierten Gewänder von der gesamten Kundschaft des letzten Vormittags geordnet bzw. nachgeforscht, welcher zu welchem Stück gehört. Das kann dauern. Danach kommt es zu einer ersten Anprobe. Das Leiberl hängt an ihm wie ein Kartoffelsack – er ist hellauf begeistert. Ich suche ihm währenddessen im Geschäft noch ein paar Hosen zusammen, man kann ja schließlich nicht unten ohne auf den Laufsteg. Was würde Guido dazu sagen!? Eine der Hosen passt dann wohl auch – mehr schlecht als recht, aber mein Großer ist damit zufrieden. Ich habe mir inzwischen auch abgewöhnt, den Buben in der Umkleide die Hosen so richtig über den Nabel in die Höhe zu ziehen, da ich aus Erfahrung und deren Reaktion in jungen Jahren weiß, dass es nicht unbedingt zu den Freuden eines Burschen gehört, wenn einem die Mama die Testikel mit einem unsanften Ruck in den Jeanszwickel klemmt. Ich bin ja lernwillig. Und man hofft ja schließlich auch irgendwann auf Enkelkinder…

Auf dem Kassapult wird nochmals alles zusammengelegt, in die Hand genommen und geordnet, dann sind die Räumungsarbeiten im ersten Geschäft erledigt.

Nächster Stopp: der Frisör – umgezogen in den neuen Konsumtempel, wo man sich coram publico jetzt die Zoten kürzen lassen kann, während einem die anderen mit den Wurstsemmeln in der Hand zusehen. Meinen sonst eher zurückhaltenden Sohn stört dies scheinbar wenig, denn als ihn eine äußerst junge, äußerst attraktive Frisörin auf ihren Hocker bittet, geht er förmlich auf vor Freude. Er gibt ihr die Hand, stellt sich mit Namen vor – was bei diesem Friseur scheinbar so üblich ist - lacht, scherzt, spricht über Frisuren, sieht sich mit der heißen Lady mit ihren Schmolllippen und langen schwarzen Haaren die Frisurenhefte an, ohne sich hilfesuchend an mich zu wenden und erzählt in nettester, unterhaltsamster Weise von seinem Alltag, was er bei mir oft nur mit einem tiefen Murren quittiert. Ich traue meinen Augen und Ohren nicht – und scheine hier überflüssig zu sein.

Frau Figaro beginnt ihr Werk nach Absprache und ich bin in der Zwischenzeit etwas beunruhigt, da die nette Kleine meinem Sohn einen deutschen Ende-30er Jahre Schnitt verpasst – harrrrrgenau mein Stil. Ich muss ruhig bleiben, nur nicht einmischen. Die wird schon wissen, was sie macht. Schließlich kratzt das nette Mädchen dann doch noch die Kurve und verwandelt zumindest meines Sohnes Hinterkopf in einen 2018er Jahr-Schnitt…

Bilanz: 1 T-Shirt und 1 Jeans gekauft, 1 Kabine aufgeräumt, stylischer Kurzhaarschnitt aus diesem oder vielleicht etwa doch vorigen Jahrhundert, summa summarum: 76,30 €, Zeitaufwand: 2 Stunden, 05 Minuten. Was wird wohl Guido dazu sagen?



Kandidat 2: Mein Sandwich (weiblich)


Shopping macht Freude, ja! Meine Tochter piesackt mich schon seit geraumer Zeit, mit ihr doch wieder mal einkaufen zu gehen: keine Hose hätte sie mehr, keinen ordentlichen Pulli, und den 3 Jacken, die sie für den Frühling hat, erkennt sie ihren Jackenstatus ab und bezeichnet jene plötzlich als „Westen“. Außerdem liege es mit ihren Haaren ganz im Argen, von Schuhen und Handtasche wolle man gar nicht sprechen.

Es geht also los, wir begeben uns ins Einkaufszentrum – natürlich nicht per Veloziped, sondern mit dem Auto, man ist ja schließlich von seinen täglichen Alltagsaufgaben schon erschöpft genug und wird sicher auch schwer zu schleppen haben: in einem Affenzahn jagen wir zielsicher von einem Geschäft ins nächste, schon beim Eingang wird mittels unsichtbarem weiblichen Scan die Lage durchgecheckt und genauestens erkannt, auf welchem Kleiderständer sich welche Klamotten und Accessoires befinden, es wird siegessicher das richtige Teil herausgefischt und mit einem Riesenpinkel, den mein schmalpicktes Töchterchen kaum tragen kann, in einem unfassbaren Tempo in der Umkleide verschwunden und ebenso schnell wieder verlassen. 3 Sachen passen, der Rest kommt auf die allgemeine Ablagestange, um die sich dann wohl die Verkäuferinnen werden kümmern müssen. Oder Kandidat 1 – falls er je wieder ein Geschäft betritt.

Ab in den nächsten Laden. Da ich der Sache kaum folgen kann, verliere ich den Überblick und bin bei Fragen in Sachen Mode überhaupt ein schlechter Ratgeber: ich erkenne zwischen den verschiedenen Jackenmodellen keinen Unterschied, die Pullis sehen alle gleich aus und die Hosen haben Löcher. Riesige Löcher. Ich weiß, das ist jetzt in, jetzt will ich mich auch nicht so aufregen darüber wie früher die vermeintlich alten Leute in MEINER Jugend. Ich möcht’s nur einmal gesagt haben: sie haben Riesenlöcher. Das ganze Knie schaut raus. Schon beim Stehen. Vom Sitzen gar nicht zu reden. Ich sag aber nichts und folge meinem Töchterchen in den nächsten Shop: Haarutensilien – ein Lockenstab mit 7 Aufsätzen muss her, und die Original-Haarbänder von irgendeiner amerikanischen Firma, dazu 3 Gels, Haarspray und was weiß ich was noch für ein Zeug, von dem ich noch nie in meinem Leben etwas gehört habe: Foundation, Concealer, Camouflage, Naked Flush und Orgasm Blush. Mir wird mulmig. Die hat gerade mal ihre Schulpflicht hinter sich und hantiert offensichtlich mit Orgasmen wie eine Große! Ich stelle keine einzige Frage und freue mich, dass sich mein Shopping-Card-Bonus wieder um einiges erhöht hat. Man hat ja sonst nicht viele Höhepunkte…


Bei jedem Spiegel, den wir passieren, starrt Tochter hinein, macht ein Schmollmündchen, zieht die Augenbrauen hoch und richtet sich ihre vermeintlich ach so schlechtsitzende Frisur. Ich bin inzwischen fertiggefahren: habe Kreuzschmerzen, dass ich kaum noch stehen kann, muss auf die Toilette und weiß nicht mehr, wo ich die Einkaufssackerl halten soll, so viele sind es schon.

Irgendwann dann das erlösende Wort: „So, jetzt samma fertig!“ Ich kann es kaum fassen. Resümee: Gefühlte 342 Geschäfte in gefühlten 7 Stunden, 300 Hosen ohne Knie gekauft mit 124 dazu passenden Jacken, die sich alle ähneln und das Ganze um gefühlte 143.768 €. Was für ein Vergnügen!

Guido wird seine helle Freude haben!



Kandidat 3, (männlich, das Nesthäkchen):


Shopping ist nicht. Der trägt die Sachen vom Großen auf; eh nicht von IHR, von IHM! – step by step, Jahr für Jahr.

Jetzt ist Guido böse. Aber sowas von.



Kandidat 4 (auch weiblich, man möchte es gar nicht vermuten) Hinkelotta höchstselbst


Es ist ja grundsätzlich so, dass ich keinen null-Acht-Fünfzehn-Körper habe. Ich bin für die Durchschnittsfrau zu groß, meine Leibesmitte übertrumpft den Durchschnitts-Wanst um einiges – Marke Waschbär – und in Relation dazu habe ich Extremitäten wie ein 17-jähriges Topmodel. Außerdem, als ob das nicht schon reichen würde, habe ich Füße, die sich um 2 Schuhgrößen voneinander unterscheiden, was jeden Schuhkauf zu einem Höllentrip werden lässt. Von meinen Koordinationsschwierigkeiten beim Gehen mal ganz abgesehen. Aber manchmal zwingt das Leben selbst mich in irgendeinen Shopping-Tempel einzukehren. Zuvor muss ich jedoch noch die wirklich wichtigen Dinge erledigen – und ja! Ich weiß, das nennt man Prokrastination… Aber ich schaue noch schnell bei einem Arzt vorbei, um mir ein längst fälliges Rezept für eine Darmreinigung vor einer Koloskopie zu holen, biege kurz bei der Krankenkasse ein, um dort den Kostenrückerstattungsantrag für meine Physiotherapien einzureichen und gehe dann noch in die Apotheke, um besagtes Rezept einzulösen. Man muss die Sache mit dem Outfit-Shoppen ja nicht so überstürzen. In meinem Rucksack habe ich außerdem 5 leere Flaschen, 3 Aluminium-Dosen und ein ganzes Packerl mit den Resten von Clooney-Kaffeekapseln, die ich sofort beim Elektrodiscounter entsorge. Anschließend entwickle ich mit einem mitgebrachten Stick 5 Fotos und werfe endlich die Flaschen und die Dosen in einen Container vor dem Konsumtempel. Nun ist mein Rucksack leer und ich habe keine Ausrede mehr, mich meinem Shopping-Trip zu widmen. Mist.

Das erste Geschäft wird tapfer angesteuert, ein T-Shirt-Kauf wäre angebracht, auch ein Höschen wär‘ mal wieder auf dem Plan, weshalb ich mir gleich einen Überblick über die gesamte Kollektion verschaffe und feststelle, dass die Kleidung hier für 13-jährige Magermodels geschnitten sein dürfte, denn 95% der Ware kann ich getrost links liegen lassen. 3 T-Shirts ergattere ich, auch 2 Hosen, die ich in die Umkleide schleppe, anprobiere und des Weiteren feststellen muss, dass die Hosen beim nächsten Hochwasser getragen werden könnten und die Leiberl mich so formen, dass man mir nach spätestens 3 Minuten in der Öffentlichkeit zum 4. Kind gratulieren würde…Und so schlecht schauen meine alten Sachen ja gar nicht aus, vielleicht brauch ich gar nichts Neues, konstatiere ich in der Kabine, als ich wieder in diese hineinschlüpfe! Diese Tatsache wird mir von einem exotischen Zeitungsverkäufer bestätigt, der mich freundlich vor dem Geschäft grüßt und nachruft: „schöne Weste!“ Dass ich keine Weste anhabe, sondern es sich um den einzigen Mantel meinerseits handelt, sei nur am Rande erwähnt und ändert nichts an meiner sinkenden Laune, noch weiter nach neuem Gewand Ausschau zu halten. Außerdem muss ich noch auf die Bank und in einen Drogeriemarkt, Geld und Zahnbürsten sind alle und diese Anprobiererei hält mich nur von den wirklich wichtigen Dingen im Leben ab.

Vorbei an einem Schuhgeschäft, plagt mich schon wieder das schlechte Gewissen. Irgendwie sollte ich da heute durch, ich sollte mir wirklich mal was Neues kaufen…. Na gut, dann werf ich eben einen Blick rein: High heels, Ballerinas, Sandalchen, Flip-Flops, Convex - was weiß ich, was das alles ist und wie die alle heißen, ich lasse die Schuhreihen eine nach der anderen hinter mir und komme am Ende des Geschäfts bei den Modellen für die reifere Lady an, sprich: Schnürschuhe in dezentem Braun-grau-schwarz, in sich gemustert, zeitlos. Apropos Zeit: welch‘ eine Vergeudung! Pure Lebenszeit verschwende ich hier. Was könnte ich dieser Zeit nicht alles machen? Zum Beispiel Klositzen für meine bevorstehende Koloskopie… Ok, ok, dann probier ich eben das passabelste Ding einmal an: Ich wurstle meine aktuellen orthopädischen Einlagen aus meinem einzigen Paar Schuhe, das ich besitze, heraus, bemerke, dass sich unzählige Lurchfetzen angesammelt haben und stopfe sie nichtsdestotrotz mit schamrotem Kopf in die von mir auserwählten Quadratlatschen. Enge Sache, sehr eng. Komm nicht mal mit der Hand richtig rein, von meinen Füßen ganz zu schweigen. Deshalb probier ich’s mal mit dem rechten Fuß, der ja mein kleinerer ist. Ufff… Nochmal gutgegangen. Das würde passen. Die Geschichte endet allerdings mit der Anprobe des linken Schuhes äußerst rasch und ich verlasse samt neuerlich gewechselter Lurcheinlagen so schnell das Geschäft, dass ich selber über meine Kondition erstaunt bin. Die Prothese hält. Das muss ich mal meinem Orthopäden erzählen.

Außerdem hab ich ohnehin noch anderes zu erledigen: Ich brauch noch Blumendünger und Lebensmittel und werde mal im Kartenbüro vorbeischauen und mir das Kabarett- und Theaterprogramm für die nächste Saison holen. Dort wird mir ein ziemlich großer Spiegel zum Verhängnis: ein Blick hinein sagt mir, ich sollte mich jetzt wirklich am Riemen reißen und doch noch nach neuer Kleidung Ausschau halten. Ich muss da jetzt durch. Diese Aufschieberei bringt mich nicht voran. Ich vergesse kurz meinen Hobby-Vegetarismus und kaufe mir in der Fleischerei 3 Extrawurstsemmeln mit Gurkerl, da ich inzwischen bereits kurz vor dem energetischen Zusammenbruch stehe. Gebe aber fairerweise einem zweiten Kleider-Geschäft mit netten Schaufensterpuppen, denen die Klamotten wie angegossen passen, noch eine letzte Chance: aber leider haben wir hier dasselbe Prozedere: 2, 3 Leiberl probiere ich an, eines ist zu bieder, eines ist zu jugendlich und das letzte klebt an mir wie am Michelin-Männchen – verdammt! Ich könnte mir doch das Entleerungsmittel für die Darmspiegelung sofort einverleiben und hier im Geschäft die Bombe hochgehen lassen - das würde mich vorm weiteren Einkauf entschuldigen. Reiß di zamm, Chrisserl!

Ich sehe mich weiter um und gebe die Hand wieder aus meinem Rucksack, worin ich bereits das Darmreinigungsmittel fest umklammert halte. Fetzen, Klamotten, Stoffhaufen, …. Haargummis haben die hier schöne! Ach, wie bin ich doch froh, dieses Geschäft entdeckt zu haben… Haargummis! 25 Stück um 3,99€. Was für ein Preis! Und die brauch ich gar nicht lange anzuprobieren. Die passen. Schließlich benötige ich für meine Kolo ja einen hübschen Haargummi, wie sieht das denn sonst aus mit meinen langen Zoten? Ich bin beruhigt und beschließe nach dieser Shopping-Tortur, meinen Untersuchungstermin als Belohnung vorverlegen zu lassen.

Resümee: 2 Stunden, 23 Minuten geshoppt, 3,99 € ausgegeben und zur Erkenntnis gelangt, dass selbst die schwarze Mamba im Allerwertesten nicht so schlimm sein kann wie shoppen zu gehen. Guido wird bei meiner Kolo wohl nicht dabei sein wollen….

Und auch die Laufsteg-Auftritte konnten wegen akuter Diarrhö nicht stattfinden. Sch… drauf!