Sonntag, 29. Dezember 2019

Das schlechte Gewissen


Weihnachtsfeiertage. Mit der Familie Zeit verbringen, gutes Essen und Trinken genießen, sich mit Freunden treffen, zuhören, lachen, einander lieb haben …. Aber was! Drauf wird pfiffen. Heuer zieh ich mir mal meine 6 DVDs a 4-5 Folgen zu je 48 min „die Hausmeisterin“ rein. Am Stück, non stop. Im Bett. Mit Laptop auf dem Bauch und Kopfhörer auf dem Schädel. Lasst’s mich doch alle in Ruh mit eurem Weihnachtsgedöns!
Bayrischer Humor gepaart mit viel Wissen über das Leben. Über 30 Jahre alt, diese Serie. Da haben die Frauen noch eine weibliche Figur. Da sind noch keine Spargeltarzane unterwegs. Und die Hausmeisterin, die sorgt sich um alles und kümmert sich um jeden. Die kann besser anpacken wie jedes Mannsbild, die löst die Sachen mit Hausverstand und wenn sie nicht mehr will, trommelt sie ein freudiges „steigt’s mir doch alle aufn Hut“. Ich liebe sie! Und die ersten drei, vier Folgen genieße ich auch noch besonders, ohne viel nachzudenken. Dann aber plötzlich regt sich was in mir…. Es scheint mein Gewissen zu sein. Sollt ich nicht auch ein bisserl putzen oder wenigstens mal der täglichen Systemerhaltung nachgehen? Wie war denn noch schnell mal meine Küche beieinander, als ich diese vor ein paar Stunden zurückließ? Hab ich überhaupt schon das Geschirr von gestern Abend weggeräumt? Ich müsst mal aufs WC, spare es mir aber noch für eine weitere Folge auf. Die Hausmeisterin geht auch nicht ununterbrochen pieseln. Sie bohnert das Treppenhaus und dreht sich ihre Haare ein.
Wann hab ich eigentlich das letzte Mal Staub gesaugt und mein Treppengeländer gereinigt? Und wann hab ich was bei meinen Haaren gemacht? Wurscht. Hab eh Natur-Wuckerl. Brauch sie mir nicht eindrehen. Und das bissl Geschirr in meiner Küche wird auch niemanden töten. Die Hausmeisterin hat nicht einmal einen Geschirrspüler. Alles macht sie mit der Hand. Und dann kocht sie noch einen „Pichelsteiner“. Einen Eintopf. Für ihre Liebsten. 


Mir kracht der Magen. Ich muss mich jetzt mal erheben, komme, was da wolle. Und das Kreuz tut mir weh. Vom Laptop am Bauch. Ihre Sorgen möchten wir haben… Die Hausmeisterin hat auch Kreuzweh. Vom Putzen und vom Reparieren und vom Herumschieben der Koloniakübeln. Irgendwie riecht meine Biotonne aus der Küche auch schon. Nach Kren, sagen mir die Kinder schon seit 3 Tagen. Nicht nach Pichelsteiner Eintopf. Und da rührt es sich wieder, mein Gewissen….
Und wie die Hausmeisterin mit den schwierigen Männern umgeht! Da könnt man auch noch was lernen. Wenn man wollte. Ich entscheide mich dann aber doch eher fürs Pieseln-Gehen. Das ist erfolgreicher als der Umgang mit Männern. Die Hüfte tut mir auch schon weh. Vom vielen Herumliegen. Muss mich mal auf eine andere Seite drehen. Bei Folge siebzehn dann wird eine Umlagerung meinerseits vorgenommen. Die Hausmeisterin hängt jetzt auch noch die Wäsche auf und einen Teil bügelt sie. Himmel Herrgott, das wird immer anstrengender mit meinem Gewissen. Bügeln! Wofür denn jetzt DAS schon wieder!? Die Leute machen sich das Leben unnötig schwer, kommt mir manchmal vor. Und schon meldet sich mein linkes Knie. Was war jetzt wieder falsch? Uj, bin damit auf dem Aufladekabel vom Laptop gelegen.
Wie schnell eigentlich die Tage so vergehen. Da legt man sich am Mittwoch mit reinem Gewissen hin und ehe man sich versieht, hat man sich auch schon 6 DVDs a 4-5 Folgen mit 48 Minuten reingezogen. Im Bett. Mit dem Laptop am Bauch und den Kopfhörern auf dem Schädel. Und mit einem unfassbar schlechten Gewissen.
Als die ersten Vögel am Samstag zwitschern, springe ich aus meinem Bett heraus und putze von oben bis unten mein ganzes Haus, leere die Biotonne aus, koche einen Eintopf – Pichelsteiner wird’s immer noch keiner – und wasche mir die Haare, bis ich vor lauter Wuckerl nicht mehr rausschauen kann.  Und frage nicht! Jetzt hab ich erst recht Hüft-, Knie und Kreuzschmerzen! Ich glaub, ich muss mich augenblicklich wieder in die Horizontale begeben. Schließlich haben die Bayern ja auch noch andere Kultserien, von denen man kein schlechtes Gewissen kriegt….