Sonntag, 24. März 2019

So läuft der Hase!


Das geht mir alles viel zu schnell.

Einatmen, ausatmen nicht vergessen. Duraschnell-Hase trommelt und trommelt, läuft und läuft.

Was ist passiert, warum treibt man mich so durchs Leben? Und vor allem: wer?

Die Ampel ist grün, ich starte meine lahmen Hufe und mach ein paar holprige Schritte, die Ampel blinkt, die Ampel ist rot. Ich steh noch mitten auf der Straße. Die ersten Boliden geben bereits Gas, als ich mich an die sichere Gehsteigkante retten kann.

Einatmen, ausatmen nicht vergessen. Hase trommelt und trommelt, läuft und läuft.

Im Geschäft angekommen und einen Verkäufer ergattert, rennt der mit mir quer durch die Halle, als ob die Trud hinter ihm her wär. Dabei bin’s nur ich. Ich kann ihm aber nicht so schnell folgen, rasiere mit meinen akkuraten Beckenschwüngen ein paar Verkaufsständer leer und komme gefühlte 10 Minuten später beim Objekt meines Begehrens an. Beim Gartenschlauch, nicht beim Verkäufer, wohl bemerkt. Denn der ist längst über alle Berge, nachdem er seinen Hatschek auf den Schlauch machte, damit er möglicherweise „schnellster Verkäufer des Monats“ wird.

Einatmen, ausatmen nicht vergessen. Hase trommelt und trommelt, läuft und läuft.

Gut, dass ich mich in der Früh ordentlich geduscht hab: „sei glücklich und verrückt – mit Guarana für den Extrakick“ steht auf dem Duschgel, das ich mir akribisch auf alle Körperteile schmierte. Damit hab ich einen Extra-Speed, der mich freudig trommelnd ins nächste Lebensmittelgeschäft jagt, wo ich das Fließband so schnell voll- und auch wieder leerräume, dass ich gar nicht merke, wie sich meine Bandscheiben lockern, mein Kopf knallrot anläuft und mein Herz sich vierfach überschlägt. Wenn ich hinten noch die Ware auflege, räumt sie vorne die Kassiererin schon wieder ab. Sie wünscht mir einen schönen Tag, ich ihr ebenfalls, doch mein Wunsch verhallt schon im Gruße des nächsten Kunden. Ich muss schneller sprechen lernen. Sonst hören die mich nicht mehr.

Einatmen, ausatmen nicht vergessen. Lauf, Hase, lauf.

Und ich darf nicht mehr so viel schlafen. Und vor allem niemandem davon erzählen. Mach mich doch nicht lächerlich. Schlaf ist unsexy und nicht zeitgemäß. Hinein noch mit ein paar Energydrinks und Kaffees in den Suppenschlitz und weiter geht’s. Produktivität bis in die Nachtstunden. Schade sonst um die Zeit. Handy aufgeschaltet lassen. Könnt sich ja ein Pinguin am anderen Ende des Planeten einer kleinen Flatulenz entledigt haben. Darüber muss ich zeitgerecht informiert sein. Schlaf wird völlig überbewertet.

Einatmen, ausatmen nicht vergessen. Trommelwirbel all night long. So läuft der Hase. Schnell, schnell.

Und wie bitte und was bitte? Der 11-jährige Nachbarsbub hat noch keinerlei Kopulationsambitionen? Ja, ist mit dem was nicht in Ordnung?

Und was? Der hat noch einen Milchzahn? Den müssen sie rausreißen lassen, wenn er bis Mai nicht von selber ausfällt, sonst wird der niemals ein richtiger Mann.

Und um Himmels Willen! Krank war eine Bekannte? 3,5 Stunden war sie krank? Von 8:30 bis 12:00 hatte sie eine Grippe? Dann hat sie sich Gott sei Dank ein paar pharmazeutische Bomben einverleibt. Jetzt funktioniert das Ding wieder.

Und seh ich recht? Jetzt hab ich doch glatt 23 Sekunden für einen ausgiebigen Stuhlgang gebraucht. Wie hol ich diese verlorene Lebenszeit bloß je wieder auf?

Und bitte einatmen und ausatmen nicht vergessen. Sonst läuft gar nix mehr.

Trommel, Trommel, Schnell, schnell.

Lange mach ich das nicht mehr mit. Ostern wär eine gute Gelegenheit, dem Hasen den Garaus zu machen: ein falscher Hase als Sonntagsbraten – und dann hat sich’s ausgetrommelt, Mr. Rabbit!