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Die Verwandlung 2020 (Kafka reloaded)

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Ein Friseurbesuch ist wieder mal dringend nötig, die Borsten lichten sich bereits an allen Enden, der Einstein sieht cooler aus als ich – also: tempus fugit und rein in den Laden, Maske rauf, Hände desinfiziert und schon sitze ich auf dem Stuhl. Rundherum alles kleine Tiegel auf polierten und gut beleuchteten Glasboards an den Wänden. Die Titel sind vielversprechend, weil Englisch: „Maintenance conditioner“ zum Beispiel. Bei näherer deutscher Betrachtung („Wartungs-Weichspüler“) eher beunruhigend. Bin ich eine Maschine und gar kein Mensch? Bedarf es wirklich einer Wartung? Links von mir sitzt ein Mann, rechts eine Frau. Der Mann, natürlich ebenfalls mit Maske, hat sein ehrenwertes Haupt mit einer grünen Paste überzogen, die ihm weit in die Stirn und über die Ohren geschmiert wurde. Er schaut so jämmerlich drein, so erbärmlich hab ich noch nie ein Mannsbild dreinschauen gesehen. In keiner Extremsituation: weder in einem Krankenhaus, noch auf einem Begräbnis oder unter einem Wirtsh...

Rot, rot, rot ... ist meine Lieblingsfarbe

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Ein kreativer Einfall meinerseits trieb mich ins Geschäft, um Stofffarbe, Fixierer und ein weißes T-Shirt um insgesamt schlappe13,-€ zu erstehen. Jawohl! Wieder mal batiken wie in alten Tagen, kreative Muster auf einem Gewand kreieren, nicht den Einheitslook von der Stange kaufen, wieder mal aus der Reihe tanzen. So war der Plan. Und beim Tanzen hört der Spaß bei mir ja bekanntlich auf, weshalb die Realität sich dann folgendermaßen gestaltete: nachdem ich mir zig Videos mit Anleitungen für komplizierte Muster und Schnürtechniken angeschaut hatte und es sogar schaffte mit Unterstützung meiner Brille und einer extragroßen Lichtquelle die Bedienungsanleitung auf Farbe und Fixierer zu entziffern, drehte und schnürte ich das Textil, wie ich nur konnte, verwendete ordnungsgemäß jedoch nicht wie vor 300 Jahren einen Spagat, sondern Haargummis. Und was noch anders war als bei meinen letzten Versuchen: die Farbe, in meinem Fall eine leuchtend rote, brauchte man nicht mehr in irgendeinem B...

Maskerade

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Ich muss jetzt mal ein bisschen Tratsch und Klatsch verbreiten. Ich kann nimmer anders. Sonst zerreißt es mich noch. Also, neulich beim Discounter ums Eck gesehen: Den Nothnagl Max. Mit einer anderen! So ein Trottel! Geht mit einer Schnecke einkaufen, die ganz sicher nicht seine Angetraute ist. Gut, die beiden hatten Masken auf und irgendwie kennt man ja die Leut‘ nimmer mehr so gut, aber ich bin mir sicher, dass das nicht die Seinige war. Das Gewand schon allein. Die hatte nie so einen Geschmack, war eher von der biederen Sorte. Und das Schneckerl da jetzt – huiwui! – trägt sogar ein Geweih über ihrem Hinterteil. Das Gsicht ist verdeckt, den A… sieht man. Was sind das bloß für Zeiten! Sie nehmen mit verliebten Blicken ihr Häuslpapier vom Fließband und stoßen mit der Stirn ans Plexiglas neben der Kassiererin. Übertragbare Krankheitserreger kleben somit an der Scheibe und warten auf den nächsten Schädel, der sich daran reiben wird. Das ist dann gleich derjenige von der Oberhuber...

Bin ich im Zoo, oder was?

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Abstand halten soll man, haben’s gesagt. Einen so großen wie ein Babyelefant. Gut. Aber wie groß ist ein Babyelefant? Sicher, ich weiß, das ist nur ein reißerisches Beispiel, damit man seinen Mitmenschen ja nimmer zu nahekommt, aber vorstellen kann ich mir trotz intensiver Suche im Internet das sympathische Rüsseltier eigentlich nicht, weshalb ich vor kurzem beschloss, mir meinen persönlichen Babyelefanten zuzulegen. Gesagt getan. Die sind jetzt eh überall im Angebot gewesen. Aber was frisst so ein Viech und wie lang lebt es und wie groß wird es und was macht es eigentlich so den ganzen Tag? Törööööö! Mein Leben ist anders geworden, seit ich ihn habe. Er leistet mir gute Dienste, das geb ich zu. Wir gehen nebeneinander zum Lebensmittelgeschäft und wenn jemand versucht, sich von hinten an mich ranzupirschen, drängt er sich dienstbeflissen dazwischen. Wenn ich mit dem Rad fahre, läuft er neben mir her und trötet vor sich hin, damit mir kein anderer Radfahrer in die Quere k...

Narrenfreiheit

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Masken zu tragen ist primär ja gar nicht so schlecht. Den gesundheitlichen Aspekt jetzt mal außen vorgelassen. Gehen wir nur nach dem Optischen. Wie die Leute jetzt alle hübsch sind, wenn man nur die Augen sieht. Den sogenannten Spiegel der Seele. Herrlich! Und was man hinter so einer Maske alles anstellen kann… Ich zum Beispiel fühle eine gewisse Narrenfreiheit und gebe oft meinen Gefühlen ungeniert freien Lauf: wenn sich etwa jemand bei der Kassa vordrängt, schneide ich eine wilde Grimasse, die ich mich in maskenfreien Zeiten niemals hätte machen getraut – vor lauter guter Kinderstube. Oder wenn ich die Nervige vom Bus sehe, zeige ich ihr unentwegt – stumm, aber sehr deutlich – meine Zunge. Solange, bis sie mir an der Maske picken bleibt. Aber das ist es mir wert. Endlich hab ich dieser Schlampe gezeigt, was ich von ihr halte… Und weil ich gemerkt habe, dass mich auch die anderen Leute manchmal ziemlich nerven, äffe ich sie jetzt ständig nach, wenn sie sich miteinan...

...es is ja eh alles da!

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Sorget euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet … sehet die Vögel unter dem Himmel an … sie sammeln nicht in die Scheunen … und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? Mt 6, 25-26 Corona-Ausnahmezustand: nach Möglichkeit nicht jeden Tag einkaufen gehen, haben sie gesagt, besser gleich für eine Woche, haben sie gesagt. Aber nicht hamstern. Den anderen Mitmenschen auch noch was übriglassen, haben sie gesagt und mit Hausverstand shoppen gehen. Tu ich. Mach ich. Für eine Woche eingekauft. Check. In zwei Tagen alles zusammengefressen. Check. Jeans spannen ein bisschen, is aber eh wurscht, bin eh nur mehr in Schlabberhosen. Da hat noch viiiiel Eingekauftes Platz. Jetzt ist es nun aber so, dass ich dann langsam doch begonnen habe, alte Sachen aufzuarbeiten, sei es aus coronatechnischen Gründen der häuslichen Inhaftiertung oder weil man halt einfach einen Frühlingsputz um diese Zeit macht. Ich habe die Winterkleid...

Nein, meinen Keller putz ich nicht!

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Entlehnt aus: „Der Struwwelpeter/die Geschichte vom Suppen-Kasper“ CORONA lebt – und was nun? Zuhause bleiben und alles tun, was man seit Jahren liegen ließ: sortieren, räumen – ist das fies! Doch Lotta fing gleich an zu schrei’n: „Ich putz nicht meine Küche! Nein! Ich putze meine Küche nicht! Nein, meine Küche putz ich nicht!“ Am n ä c h s t e n Tag – ja sieh nur her! Da war es noch viel dreckiger. Da fing sie wieder an zu schrei’n: „Ich wische keinen Boden! Nein! Ich wische meinen Boden nicht! Nein, meinen Boden wisch ich nicht!“ Am d r i t t e n Tag, o weh und ach! Da wurd‘ sie erst um elfe wach! Sie wollt‘ sich machen hübsch und fein, doch keine Wäsche war mehr rein: Ich wasche keine Kleidung! Nein! Ich wasche meine Kleidung nicht! Nein, meine Kleidung wasch ich nicht!“ Am v i e r t e n Tage endlich gar der Garten ruft – das war ganz klar, heute mal rechen, kehren, Hecken trimmen mit großen Scheren. Da fing sie wieder an zu schre...