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Man wird ja bescheiden

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Ja, ich weiß, „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“. Aber wenn die Pandemie eines bei mir bewirkt hat, dann ist es besagte Bescheidenheit. Und Zufriedenheit mit den kleinen Dingen. Und Demut. Denn nichts ist mehr selbstverständlich. Das Gesicht haben wir alle verloren, versteckt hinter Masken, berühren dürfen sich nur mehr die Pommes auf den McDonalds-Plakaten und gemeinsam ein Gläschen trinken darf man nur mehr, wenn einem zuvor ein Staberl bis ins Hirn geschoben wurde. Ich will mich nun keinesfalls über solche Maßnahmen aufregen, das liegt mir fern. Denn ich habe auch keine bessere Idee, wie man sonst die Sache in den Griff bekommen sollte. Also mach ich halt, so gut es geht, wie man mir befiehlt. Ich bleib ja bei Rot auch an der Ampel stehen und reg mich nicht auf, dass man meine Persönlichkeitsrechte damit einschränkt. Nun aber ist es so, dass ich begonnen habe, mich irrsinnig über Kleinigkeiten zu freuen, da durfte ich z.B. bei einer Shiatsu-Massage me...

Das hab ich vorher noch nie gesehen.

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  Ein Spaziergang durch die Stadt. Alle Geschäfte zu. Lockdown Nr. 3. Sie sind teilweise nicht nur vorübergehend zu, sondern wirklich für immer geschlossen. Ein mulmiges Gefühl beschleicht mich. Keine Kleiderständer und Schütten vor den Auslagen, keine Musik dringt auf die Straße, niemand flaniert herum; wenn ich einen Menschen treffe, so marschiert derjenige zielgerichtet irgendwohin. Keine automatischen Türen öffnen sich, wenn man zu nah an sie herankommt, Zeitungen liegen unbeachtet im Dreck in so manchem Eingang und keinerlei bunte Slogans mit Abverkaufswerbungen und Super-Sonder-Mega-Sales reizen meine Netzhaut. Die Stadt steht sogzusagen nackt vor mir. Und wenn man so nackert ist, offenbart man ja so manches ansonsten Verborgene, das weiß jedes Kind. Auch bei Städten ist das nicht anders. Also sehe ich zum ersten Mal, dass es unfassbar viele Angebote an Therapiezentren, Ärzten, Alternativmedizinern und Tatooshops gibt. Auch offenbart sich mir eine wunderschöne Architektur, ...

Bloß ein Vogel?

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Manchmal bin ich echt krawutisch, da geht mir alles total schnell auf die Nerven und dann wieder - im Handumdrehen - rührt mich was und ich bin kurz davor in Tränen auszubrechen. Was ist das bloß? Hormonelle Umstellungen kurz vor dem Verdorren? Eine bisher unentdeckte Hochsensibilität? Das Blankliegen der Nerven, weil’s einfach auf der Welt so drunter und drüber geht oder bloß ein Vogel? Kleinigkeiten sind es, die mich an die Decke gehen lassen: da legt ein betagter Mann hinter mir im Geschäft seine Ware schon aufs Fließband, wenn ich noch gar nicht fertig bin und vermeintlich keinen Platz mehr habe, und ich könnt ihm schon durch die Maske ein wütendes „Hast keine Augen im Kopf, du Fetzenschädl?“ rüberspradern, doch im selben Moment sehe ich, wie zittrig seine Hände sind und wie erloschen sein Glanz in den Augen, was mir gleich die Tränen ins Gesicht schießen lässt vor Rührung, weil dieses alte Männlein sich so plagt, noch alleine einkaufen zu gehen. Oder ich sehe auf facebook Po...

Ein Tag ohne Regeln

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Die Kinder sind weg. Ab zum Herrn Papa. Juhu. Gleich eins vorweg, bevor da irgendwelche Missverständnisse entstehen. ICH LIEBE MEINE KINDER. Ich bin sehr, sehr gerne mit ihnen zusammen. Aber ich bin auch gerne allein. Sehr sogar. Einmal nur für mich, unbeobachtet von meinen Teenager-Mitbewohnern, einfach tun und lassen, was ich will, auf die Vorbildfunktion wird für kurze Zeit gsch…en. Herumliegen, im Bett essen, dummes Zeug im Fernsehen schauen, halbnackt durch das Haus laufen, ungesunde Mahlzeiten zubereiten, am Tisch bröseln und mit dem Handrücken mal so herzhaft das Kernöl vom Goscherl wischen. Ausgedehnte Badewannenaufenthalte mit zu hohem Heißwasserverbrauch, möglicherweise sogar mit einem Gläschen Sekt, am Tag die Vorhänge zuziehen und vor sich hinrüsseln, nicht das Haus verlassen, sich nicht körperlich ertüchtigen, auch auf die Frischluft wird gepfiffen. Naschen, obwohl man Hunger hat und genau weiß, dass ein vernünftiges, nahrhaftes Essen jetzt besser wäre, laute Musik spiel...

Ich bin spröde geworden ...

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  Gut, zuerst dachte ich, es wird schon seinen Sinn haben, so eine Pandemie, irgendeine schöpferische Erneuerung wird es wohl bereithalten für uns, das Universum. Ein bisschen runterfahren halt wieder die erhitzten Gemüter, die gestressten Workaholics auf Werkeinstellung zurücksetzen. Uns aufs Wesentliche, Wichtige besinnen lassen, zu uns selbst finden. Aber jetzt bin ich spröde geworden… zerbrechlich und zerknittert…. Zuerst ging’s noch, da war alles irgendwie anders und gar nicht mal so schlecht: durch‘s Distance Learning der Kinder gab’s keine Konflikte mehr im Pausenhof, die Kopfläuse blieben komplett aus, der Schularzt attestierte kein einziges Mal mehr Masseneisenmangel und Massenplattfüße , die öden Elternabende mit verbohrten Helikopter-Eltern und ihren abstrusen haarsträubenden Ideen fielen aus, niemanden interessierte mehr „die gesunde Jause“ und ob man zum Trendsport in die Berge oder zur Sissi nach Wien in der Schulwoche tingeln würde. Die von mir so lästig empfun...

A... frisst Hose.

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  Meine Freitagsrunde durch die Stadt beginne ich beim regionalen Fischhändler, weswegen ich motiviert über den Hauptplatz galoppiere, nachdem ich zuhause ausgiebig gefrühstückt hatte. Das Unter-Hoserl zwickt etwas, wenn ich schneller gehe, doch dafür habe ich jetzt keinen Kopf, denn ich bin schon wieder auf Nahrungssuche. Vorm Geschäft steht man schon am Gehsteig an, die Schlange reicht bereits weit nach hinten. Als ich endlich dran bin, erklärt mir die nette Verkäuferin, dass die Fischerl heute nicht besonders groß sind, weshalb ich gleich viere mehr mitnehme, der regionale Fischhändler soll ja unterstützt werden und braucht auch selber was zu essen, nicht wahr? Wieder zurück über den Hauptplatz – A… frisst mittlerweile besagte U-Hose – kann ich dem Bauernmarkt nicht widerstehen und decke mich dort mit Honig, Würsten und Riesenschaumrollen ein. Ich tratsche ein bisschen mit der Verkäuferin und weil sie echt nett ist und sich mein Blutzuckerspiegel immer mehr im Sinkflug befinde...

Mein persönlicher Lockdown

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  Ui… jetzt hab ich lange nichts mehr geschrieben. War sehr beschäftigt. Angefangen hat es ganz harmlos: Mein Handy war kaputt. Es hat geraucht. Also nicht direkt geraucht, aber es ist binnen Sekunden so dermaßen heiß geworden, dass ich es öfters als Wärmflasche für alle möglichen Körperteile verwendete. Wo das schon überall war! Frage nicht. Es wusste auch zu viel. Also war es an Zeit abzudanken und für das Neue Platz zu machen. Gekauft war es ja schnell, sämtliche Versicherungen und Schutzhüllen kategorisch abgelehnt und mithilfe meiner Kinder auch bald aktiviert, sprich mit kleinsten Nähnadeln, oder was immer das auch für ein Zeug ist, geöffnet und die SIM-Karte getauscht Aber meine alten Apps bekam ich nur wieder in geschrumpfter Form, d.h. alte Konversationen und Bilder waren dahin, auf WotSepp wurde ich wie von Zauberhand frisch in irgendwelche veralteten Gruppen hinzugefügt und ich hatte plötzlich wieder Leute unter meinen Kontakten, die ich mit 103%iger Sicherheit gel...