Sonntag, 22. November 2020

Ich bin spröde geworden ...

 

Gut, zuerst dachte ich, es wird schon seinen Sinn haben, so eine Pandemie, irgendeine schöpferische Erneuerung wird es wohl bereithalten für uns, das Universum. Ein bisschen runterfahren halt wieder die erhitzten Gemüter, die gestressten Workaholics auf Werkeinstellung zurücksetzen. Uns aufs Wesentliche, Wichtige besinnen lassen, zu uns selbst finden.

Aber jetzt bin ich spröde geworden… zerbrechlich und zerknittert….

Zuerst ging’s noch, da war alles irgendwie anders und gar nicht mal so schlecht: durch‘s Distance Learning der Kinder gab’s keine Konflikte mehr im Pausenhof, die Kopfläuse blieben komplett aus, der Schularzt attestierte kein einziges Mal mehr Masseneisenmangel und Massenplattfüße , die öden Elternabende mit verbohrten Helikopter-Eltern und ihren abstrusen haarsträubenden Ideen fielen aus, niemanden interessierte mehr „die gesunde Jause“ und ob man zum Trendsport in die Berge oder zur Sissi nach Wien in der Schulwoche tingeln würde.

Die von mir so lästig empfundene Links-rechts-Busslerei zur Begrüßung fiel weg, man gab sich keine verschwitzten Hände mehr und wischte dann heimlich seine eigene Hand angeekelt ins Tischtuch der Nachbarin, man roch sich und die anderen nicht mehr – entweder aufgrund des stets mitgeführten Babyelefanten oder aufgrund des Nasen-Mund-Schutzes. Steril kroch man in sich selbst hinein, schnitt Grimassen, die keiner sah, jegliche Mimik verhallte im blau-weißen Fetzen und akustisch verstanden wir uns alle auch bald nimmer.

Die Adventmärkte , wo sich in seliger Glühwein-Laune die Schnapsnasen mit ihren batteriebetriebenen Zipfelmützen unterm grell beleuchteten Riesenradl zuprosteten und herumstänkerten, brauchte ich nicht mehr zu besuchen, was mir jedes Jahr von irgendwem aus meinem Freundeskreis zur Pflicht gemacht wurde und eigentlich war ich völlig ohne Stress und Kalender, weil es sowieso hieß „treffen Sie niemanden!“



Klang für mich zumindest am Anfang mal richtig gut und entspannend. So eine Pause von zu viel Menschelndem.

Aber jetzt bin ich spröde geworden. Sehr sogar.

Ich möchte euch alle wieder riechen, die Parfums und Cremen auf eurer Haut, die Shampoos auf euren Haaren, den Zigarettenduft in euren Bärten, den Schweiß auf euren Wangen. Ich möchte euch fühlen, wenn wir uns umarmen – und sei es nur für den kurzen Augenblick der Begrüßung, des flüchtigen Beschnupperns für ein paar Sekunden.

Ich möchte mich austauschen mit anderen Eltern, möchte deren Sichtweise erfahren, möchte mich mit Plattfüßen und Eisenmangel herumschlagen und das lästigste Übel, vor dem ich mich und meine Familie schützen würde müssen, sollten wieder diese verdammten Kopfläuse sein und nicht eine Krankheit, die so viele Gesichter und Erscheinungsformen hat wie die Hydra aus der griechischen Mythologie.

Und ja, ich möchte mich wieder mit den Dumpfbacken auf dem Christkindlmarkt herumschlagen und kopfschüttelnd nach Hause gehen und nicht durch die Thujenhecke des Nachbarn klettern, damit ich die Ausgangssperre umgehe.

Ich möchte meinen Kindern eine gesunde Jause richten und sie zum Schulbus in die Finsternis hinausschicken, wissend, dass sie an der nächsten Ecke schon ihre Freunde treffen und es zwischen ihnen ein Gekuder und ein Juchee geben wird.

Zerbrechlich fühl ich mich. Spröde und zerknittert.

Für Corona und das 2020er-Jahr hab ich genau noch einen Satz übrig: „Schleich di, du Oarschloch!“.

Freitag, 13. November 2020

A... frisst Hose.

 Meine Freitagsrunde durch die Stadt beginne ich beim regionalen Fischhändler, weswegen ich motiviert über den Hauptplatz galoppiere, nachdem ich zuhause ausgiebig gefrühstückt hatte. Das Unter-Hoserl zwickt etwas, wenn ich schneller gehe, doch dafür habe ich jetzt keinen Kopf, denn ich bin schon wieder auf Nahrungssuche. Vorm Geschäft steht man schon am Gehsteig an, die Schlange reicht bereits weit nach hinten. Als ich endlich dran bin, erklärt mir die nette Verkäuferin, dass die Fischerl heute nicht besonders groß sind, weshalb ich gleich viere mehr mitnehme, der regionale Fischhändler soll ja unterstützt werden und braucht auch selber was zu essen, nicht wahr?

Wieder zurück über den Hauptplatz – A… frisst mittlerweile besagte U-Hose – kann ich dem Bauernmarkt nicht widerstehen und decke mich dort mit Honig, Würsten und Riesenschaumrollen ein. Ich tratsche ein bisschen mit der Verkäuferin und weil sie echt nett ist und sich mein Blutzuckerspiegel immer mehr im Sinkflug befindet, sage ich ihr, sie solle doch noch 3 Röllchen drauflegen. Die Bauern müssen ja auch was essen und von was leben.

Meine sich am Körper befindlichen Röllchen wachsen offensichtlich direkt proportional zu diesem Augenschmaus und das U-Höschen zwickt jetzt schon richtig penetrant. Einen kleinen Abstecher mach ich aber noch ins Einkaufszentrum, da hat heute ein Weinhändler seinen Laden aufgestellt, was für ein Zufall! Und Rotwein soll ja gesund sein. Und überhaupt droht angeblich der harte Lockdown, dann muss ich wieder über WotSepp ein gepflegtes Flascherl … ähm… Glaserl trinken. Da kann es nicht schaden – einzig fürs psychische Gleichgewicht – einen guten Tropfen auf Vorrat im Keller zu haben. Und der Weinhändler soll’s auch gut haben, Ihr wisst ja….


Die Tasche ist unendlich schwer, die U-Hose droht bereits zu zerbersten, aber ich halte tapfer durch. Nur noch ein kleines Leckerli beim regionalen Schokohändler, ein bisserl schauen, ob es schon wieder die Marzipan-Weihnachts-Edition gibt. Ja, es gibt sie, was für eine Freude! „Geben’S mir noch so 5, 6 Riegerl!“, flüstere ich der netten Dame durch meine Maske über die Budl zu und breche vor lauter Einkaufslast schon fast zusammen. Aber da muss ich jetzt durch, der regionale Schokohändler muss ja auch … richtig! … was essen und von was leben !

Erschöpft erreiche ich mein Fahrrad und akkurat in jenem Moment, wo ich meine lahmen Beinchen über die Stange zu schwingen versuche, macht es einen Kracher und das Hoserl reißt am Allerwertesten.

Die Vernunft sagt mir: meine nächste freitägliche Shopping-Tour sollte nicht mehr zu den lukullischen Genüssen führen, sondern in ein Unterwäsche-Geschäft, in ein regionales. Denn mein Hinterteil muss offensichtlich auch immer was (fr)essen.

Montag, 5. Oktober 2020

Mein persönlicher Lockdown

 Ui… jetzt hab ich lange nichts mehr geschrieben. War sehr beschäftigt.

Angefangen hat es ganz harmlos: Mein Handy war kaputt. Es hat geraucht. Also nicht direkt geraucht, aber es ist binnen Sekunden so dermaßen heiß geworden, dass ich es öfters als Wärmflasche für alle möglichen Körperteile verwendete. Wo das schon überall war! Frage nicht.

Es wusste auch zu viel. Also war es an Zeit abzudanken und für das Neue Platz zu machen. Gekauft war es ja schnell, sämtliche Versicherungen und Schutzhüllen kategorisch abgelehnt und mithilfe meiner Kinder auch bald aktiviert, sprich mit kleinsten Nähnadeln, oder was immer das auch für ein Zeug ist, geöffnet und die SIM-Karte getauscht

Aber meine alten Apps bekam ich nur wieder in geschrumpfter Form, d.h. alte Konversationen und Bilder waren dahin, auf WotSepp wurde ich wie von Zauberhand frisch in irgendwelche veralteten Gruppen hinzugefügt und ich hatte plötzlich wieder Leute unter meinen Kontakten, die ich mit 103%iger Sicherheit gelöscht hatte. Weil ich sie nicht mag. Aber das Netz vergisst nichts. Und alles ist mit allem verbunden und verknüpft und big brother is watching me. Ich weiß.

Ja, und dann war da noch die Waschmaschine. Die nächste Kandidatin. Sie schleuderte mit 120 Dezibel, was die Nachbarn am anderen Ende der Siedlung in den Luftschutzkeller laufen ließ, da sie den Bombenangriff eines Überschallflugzeuges vermuteten. Außerdem zog sie vornehmlich auf den weißen, gewaschenen Höschen braune Bremsstreifen. Frage nicht, wie wir danach alle aus der Wäsche guckten.

Ach ja, und beim Auto gab es einen kleinen Parkschaden, nur ganz minimal, ich krieg halt kein Pickerl mehr, der Blechhaufen rostet mir unter der Hand davon und die offizielle Reparatur kostet 2 monatliche Durchschnittseinkommen.

Und der Geschirrspüler, hab ich eigentlich den Geschirrspüler erwähnt? Der wäscht das in der Waschmaschine so erbärmlich vermisste Weiß mühelos auf das gesamte Geschirr, sprich es ist mit einem Kalkbelag überzogen, dass man meint, man hätte es durch den A… gezogen.

Und dann wurde noch unser zuckersüßes Kätzchen totgefahren. Wir sind untröstlich.



Und mein Radl wurde kaputt, der TV-Kabelanschluss im oberen Schlafzimmer funktionierte nicht mehr, meine Matratze war durchgeritten, der Fotoapparat ließ sich nicht mehr einschalten, die Jalousie im Bad war im Eimer, das Licht im Vorraum unbrauchbar, der Wasserhahn im Bad tropfte und beim Vibs waren die Batterien durchgebrannt. Aber dies sei nur nebenbei erwähnt.

Ich bin also etwas unentspannt.

Und im Prinzip handlungsunfähig. MEIN PERSÖNLICHER LOCKDOWN.

Ich überlegte hin und her, studierte You-Tube-Videos mit Reparatur-Anleitungen, trieb mich in Baumärkten und Elektrohandlungen umher, fuhr mit Klein-LKWs und aß zur Entspannung halt ein bisschen mehr Schoko als sonst.



Ach ja und das Wichtigste: ich hatte vor allem Freunde, die mir in meinem Elend halfen. Freunde, die da waren, als wir die Katze zu Grabe trugen, Freunde, die da waren, als ich mit Zornestränen schon am Dübel-Reinschlagen scheiterte, Freunde, die das Auto mir nix dir nix pickerltauglich machten und Freunde, die mich mit köstlichen Einladungen und amüsanten Kurzreisen immer wieder bei Laune hielten. Ich danke euch.

Es geht nicht alleine. Es geht nicht gegeneinander. Es geht immer nur MITEINANDER. BEI JEDEM LOCKDOWN.

Mittwoch, 12. August 2020

Werbung wirkt

 

Ein paar Freunde sind bei mir eingeladen. Man isst sich die Hucke voll, trinkt so vor sich hin, genießt das eine oder andere Achterl über den Durst, und hört dabei Musik. Ein entspannter Abend. Glaubt man. Musik kommt aus dem ichtube-Kanal, dort kann man sich beliebige Playlists gratis gestalten, die Video-Clips dazu ansehen und einfach gute Musik hören. Kleines Hinkebein (außer mir): die WERBUNG. Sie ist auf den Suchverlauf des Users abgestimmt und wird dazwischen, davor und danach eingespielt. Unbarmherzig. Richtig unbarmherzig.

Und so kommt es, dass wir zu „Lady Gaga“ bereits ausgeflippt schunkeln und deren Elastizität und stramme Körperbeherrschung bewundern, während sie sich mit ihrem „Alessandro“ im Bettchen vergnügt. Plötzlich aber wird der Song unterbrochen und eine ältere Dame raunzt aus dem Kanal: „Mit Ihrem Alter leiden Sie sicher auch unter Scheidentrockenheit?“ Jo LeckFettn, das kann doch jetzt nicht wahr sein. Wie kommen die auf sowas? Das war ich nicht. Das hab ich niemals in mein Suchprogramm eingegeben. Ich schwörrrrrre!

Der nächste Interpret ist „Queen“ mit „another one bites the dust“, hoffentlich kommt jetzt nicht schon wieder eine Unterbrechung, schießt es mir durch mein perplexes Köpferl, doch ich gebe mich locker und singe lauthals mit. Das Unvermeidbare lässt allerdings nicht lange auf sich warten: „Haben auch Sie schmerzempfindliche Zähne, ein blutendes Zahnfleisch und Mundgeruch, dann kommen Sie in unsere Zahnklinik nach Hegeschalyoönomony?“ Geh reis o! Das kann doch nicht sein, das war ich nicht, auch danach hab ich niemals gesucht. Ich schwörrrrrre!

Meine Freunde lachen und starten das nächste Lied, indem sie mir die Maus und somit die Kontrolle entziehen. Jetzt geht der Spaß erst richtig los. Offensichtlich derzeit auf meine Kosten. „Männer sind Schweine“ dröhnt es aus einer Box, na immerhin wird auch noch wer anderer außer mir durch den Kakao gezogen. „….sie wollen alle nur das eine…“ Daraufhin eine Stimme aus der anderen Box: „Leiden Sie unter ständigem Harndrang und klappt’s nicht mehr so im Bett? Prostagutt forte. Weniger müssen müssen. Schont die Sexualfunktion.“ Fuck! Das kann doch nicht sein, das war ich nicht, das hab ich in keine Suchmaschine dieser Welt eingegeben. Ich schwörrrrrre!

Was soll ich noch weiter erzählen? Bei Hannah und ihrem „aussa mit de Depf“ wird ein Kochrezept für Käsespätzle vorgestellt – als ob ich die nicht könnte!,  bei Bausas „gib mir mehr von dem, was du Liebe nennst“, will man mir einen Kredit andrehen, bei Abbas „dancing queen“ sollte ich einen neuen Parkettboden kaufen und bei Seiler und Speers „Herr Inspektor“ zählt man mir die nächstgelegenen Justizanstalten samt Bushaltestellen auf.

Das kann doch nicht sein, das war ich nicht, das hab ich alles niemals gesucht. Ich schwörrrrre!


Jetzt ist auch die Laune der anderen gesunken. Ja, kann man denn nicht mal mehr in Ruhe Musik hören? Es folgen Tipps für Yogabekleidung, Hornhautraspeln, Partnersuche, griechische Reiseziele, Scheidungsanwälte, sanfte Haarentfernung im Intimbereich, Mosaikgestaltungen, Badsanierungen, Faltenstraffung, Rotwein-Angebote und ein alter Plattenspieler ist bei einem privaten Flohmarkt im Angebot. Mir reicht’s. Den kauf ich mir! Denn nach dem unnötig angebotenen restlichen Kram hab ich niemals gesucht…

….zumindest das mit der Prostata war ich wirklich nicht – ich schwörrrrrrre!

Montag, 27. Juli 2020

Die Verwandlung 2020 (Kafka reloaded)



Ein Friseurbesuch ist wieder mal dringend nötig, die Borsten lichten sich bereits an allen Enden, der Einstein sieht cooler aus als ich – also: tempus fugit und rein in den Laden, Maske rauf, Hände desinfiziert und schon sitze ich auf dem Stuhl. Rundherum alles kleine Tiegel auf polierten und gut beleuchteten Glasboards an den Wänden. Die Titel sind vielversprechend, weil Englisch: „Maintenance conditioner“ zum Beispiel. Bei näherer deutscher Betrachtung („Wartungs-Weichspüler“) eher beunruhigend. Bin ich eine Maschine und gar kein Mensch? Bedarf es wirklich einer Wartung?
Links von mir sitzt ein Mann, rechts eine Frau. Der Mann, natürlich ebenfalls mit Maske, hat sein ehrenwertes Haupt mit einer grünen Paste überzogen, die ihm weit in die Stirn und über die Ohren geschmiert wurde. Er schaut so jämmerlich drein, so erbärmlich hab ich noch nie ein Mannsbild dreinschauen gesehen. In keiner Extremsituation: weder in einem Krankenhaus, noch auf einem Begräbnis oder unter einem Wirtshaustisch. Das personifizierte Elend sitzt hier und ich denke an meine Oma selig, die immer schon sagte „Hoffart muss leiden und aus dem Spiegel schaut der Teifl raus“. Nun ist es also soweit.
Ich erhasche ein paar Wortfetzen, die er mit seiner Friseurin wechselt. Corona sei hausgemacht, ein böser Amerikaner habe es in die Welt gesetzt, man wolle das System herunterfahren, die Mittelschicht entmachten, die Menschen hörig machen und die Armen alle sterben lassen. Und bei der bevorstehenden Impfpflicht wird einem ein Chip initiiert, mit dem „die da“ weiß Gott was anstellen würden können.
Ich bin mir nicht sicher, ob’s bei dem Herrn nicht unter der grünen Paste auf seiner Stirn sogar ein paar Mal „Pieps“ gemacht hat, ein Geräusch kam auf jeden Fall aus ihm raus.
Jetzt werde ICH in die Mängel genommen, man wäscht mir die Haare, das Wasser und ein bisschen vom englischen Wartungs-Weichspüler tropft mir über die Stirn; die zuhause akribisch aufgetragene Anti-Falten-Creme rinnt mir in die Augen, was dieselben blitzschnell brennen und sich entzünden lässt. Und als ich mich wieder im Spiegel sehe, habe ich rote, verquollene Bindehäute und Luft krieg ich unter der Maske jetzt irgendwie auch nimmer, weil die Friseurin so enthusiastisch meine Spitzen schneidet, dass mir dieselben auf der Seite wieder zurück in die Maske fliegen und ich nur mehr keuchend spucke und grünlich anlaufe.

Und die Frau zu meiner rechten? Was soll ich euch sagen? Hat Alufolie, akkurat in kleinen quadratischen Briefchen geordnet, auf ihrem Kopf, dazwischen auch grüne Paste. Eine Spur dunkler wie der Herr vielleicht. Aber auch grün. Sie liest ein Magazin und schüttelt mit jedem Umblättern ihr Aluhut-Köpfchen.
Ein Blödsinn sei das alles, was da in der Zeitung steht, alles Lug und Trug, die Statistiken völlig verfälscht. Keine Grippetoten gebe es mehr, wo sind denn die alle hingekommen? Und jeder Verkehrsunfall wird als „‚mit‘ oder ‚an‘ Corona verstorben“ bezeichnet. Was dies alles für ein Unfug sei. Seit Monaten halte sie keinen Abstand, der Elefant sei ihr Blunzn und was sei passiert? Nixi. Rein gor nixi. Also was sollen dann die ganzen Lügengeschichten? „Pieps. Pieps“, macht es bei der Dame. Könnte die Trockenhaube gewesen sein. Hätte sie bloß eine aufgehabt….
Na Bumm. Was waren das noch für Zeiten, als man beim Friseur Themen behandelte wie: wann kommt mal wieder die Sonne oder wo Haare überall nicht mehr wachsen dürfen, wo der nächste Urlaub hingeht und ob sich die Kellnerin vom Café nebenan nach ihrer letzten Schicht schon wieder hat flachlegen lassen. Diese Bitch.
Und wo sind die guten alten Zeiten, wo Mann noch viereinhalb Minuten für einen Haarschnitt brauchte und Frau sich mit einem Minipli zufriedenstellen ließ?
Ich bekomme Angst. Große Angst. Nicht vor Corona, nicht vor den Illuminati, sondern vor meinen Sitznachbarn und vor dem Blick in den Spiegel, wo mir meine Verwandlung langsam sehr zusetzt. Ich verlasse so schnell es geht mit einem unüberhörbaren Piiiiiieps aus meinem Hinterteil das Etablissement und steige ins nächste Raumschiff ….ähm … Taxi, das frei wird.
Bis dann, meine lieben Freunde. Ich komme euch alle holen. PIEPS.

Donnerstag, 25. Juni 2020

Rot, rot, rot ... ist meine Lieblingsfarbe


Ein kreativer Einfall meinerseits trieb mich ins Geschäft, um Stofffarbe, Fixierer und ein weißes T-Shirt um insgesamt schlappe13,-€ zu erstehen. Jawohl! Wieder mal batiken wie in alten Tagen, kreative Muster auf einem Gewand kreieren, nicht den Einheitslook von der Stange kaufen, wieder mal aus der Reihe tanzen. So war der Plan.

Und beim Tanzen hört der Spaß bei mir ja bekanntlich auf, weshalb die Realität sich dann folgendermaßen gestaltete: nachdem ich mir zig Videos mit Anleitungen für komplizierte Muster und Schnürtechniken angeschaut hatte und es sogar schaffte mit Unterstützung meiner Brille und einer extragroßen Lichtquelle die Bedienungsanleitung auf Farbe und Fixierer zu entziffern, drehte und schnürte ich das Textil, wie ich nur konnte, verwendete ordnungsgemäß jedoch nicht wie vor 300 Jahren einen Spagat, sondern Haargummis. Und was noch anders war als bei meinen letzten Versuchen: die Farbe, in meinem Fall eine leuchtend rote, brauchte man nicht mehr in irgendeinem Bottich von Hand anrühren, sondern sie vereinigte sich in der Waschmaschine in einem unspektakulären Waschgang bei 40% mit dem Leiberl wie von selbst. Entspannt lehnte ich mich zurück und wartete. 

Das war das letzte Mal, dass ich in dieser Causa entspannt war, dies sei schon mal vorweggenommen.

Nach Beendigung des Waschganges riss ich die Trommel auf und musste mit Schrecken feststellen, dass die Haargummis der Maschinenbewegung offensichtlich nicht standgehalten hatten und separat herumflatterten, das Leiberl hingegen war rosarot. Und zwar durchgehend. Kein einziger Batikeffekt weit und breit. Nicht einmal ein Punkterl, das noch weiß geblieben wäre. Dafür aber tropfte in den Gummilaschen der Trommel noch jede Menge Farbe, die sich beim Öffnen sogleich über den Boden und meine Zehen ergoss. Auch meine Hände hatten was abbekommen. Ach, nicht so schlimm, ich tapste zum Waschbecken, nahm per Fußabdruck ein paar rote Schleifspuren mit und musste feststellen, dass sich mit reinem Wasser die Farbe nicht runterkriegen lässt.


Nach dem (vermeintlichen) Säubern der Waschmaschine legte ich noch eine Partie weiße Wäsche nach, ließ mein T-Shirt trocknen und probierte es danach auch gleich an. Die roten Spuren hatte ich inzwischen über das ganze Haus verteilt, sämtliche Türklinken waren blutrot, an den Wänden klebten kleine Patzer, auf dem Holzboden waren Abdrücke. Doch das T-Shirt schaute ganz nett aus – auch ohne Batikeffekt.

Und neue Sachen zeigt man ja gerne her, weshalb ich gleich eine Runde mit dem Rad drehte, etwas verschwitzt nach Hause kam und feststellen musste, dass das Shirt sowohl meine Unterwäsche als auch meine Hose angefärbt hatte. Nun gut, es braucht also einen neuen BH, eine neue Unterhose, neue Jeans, neue Socken und das bisschen Reinigungsmaterial für die Türklinken, den Parkettboden, die Fliesen und ein bisschen Farbe für die Wände im Gang. Des Weiteren muss man einen Maler bestellen.

Die Partie mit der weißen Wäsche war inzwischen auch fertig, leider übersah ich ein paar Farbrückstände in der Trommel, weshalb zusätzlich noch 7 Unterhosen, 3 Handtücher, 2 Polsterüberzüge, 4 Geschirrtücher, 3 Waschlappen und 2 Hemden neu zu kaufen sind.

Das Ganze wird mir in etwa, samt Maler, auf 800,- bis 900,-€ kommen.

Gut, dass ich vor den Kindern zuhause war. Die hätten sonst aufgelöst die roten Flecke im gesamten Haus gesehen, Muttern nicht vorgefunden und was weiß ich was gedacht. Immerhin: die Tatortreiniger hab ich mir dadurch erspart. Sonst wär’s noch ein bisserl kreativer geworden….

Montag, 18. Mai 2020

Maskerade



Ich muss jetzt mal ein bisschen Tratsch und Klatsch verbreiten. Ich kann nimmer anders. Sonst zerreißt es mich noch. Also, neulich beim Discounter ums Eck gesehen: Den Nothnagl Max. Mit einer anderen! So ein Trottel! Geht mit einer Schnecke einkaufen, die ganz sicher nicht seine Angetraute ist. Gut, die beiden hatten Masken auf und irgendwie kennt man ja die Leut‘ nimmer mehr so gut, aber ich bin mir sicher, dass das nicht die Seinige war. Das Gewand schon allein. Die hatte nie so einen Geschmack, war eher von der biederen Sorte. Und das Schneckerl da jetzt – huiwui! – trägt sogar ein Geweih über ihrem Hinterteil. Das Gsicht ist verdeckt, den A… sieht man. Was sind das bloß für Zeiten! Sie nehmen mit verliebten Blicken ihr Häuslpapier vom Fließband und stoßen mit der Stirn ans Plexiglas neben der Kassiererin. Übertragbare Krankheitserreger kleben somit an der Scheibe und warten auf den nächsten Schädel, der sich daran reiben wird.

Das ist dann gleich derjenige von der Oberhuber Babsi. Sie braust als nächstes mit einem Wagerl voller Hundefutter daher. Was braucht denn die bitte sowas, die hat doch ein Katzerl, ja hat die einen Pecker!? Und wie sie heute vorbeirennt bei mir, sonst grüßt sie immer. Gut, sie hat eine Maske auf und irgendwie kennt man ja die Leut‘ nimmer mehr so gut, aber ich bin mir sicher, dass sie es war. Oder doch nicht? Sie hinterlässt ihren fettigen Stirnabdruck an der Plexiglasscheibe und schaufelt dabei ihre Hundsdoserl vom Fließband.



Und der Manfred vom Hochhaus drüben, ich weiß den Nachnamen nicht, der hat jetzt noch mehr Pickel bekommen, der trinkt wahrscheinlich wieder … und die Isabella Bleibtreu von der Siedlung rennt mit fetten Haaren rum, dass der Sau graust und alle tun sie so, als ob sie wer anderer wären. Ja kruzitürken, diese blöden Masken!

Die Gruber Gerli hat schon wieder eine neue Tasche, gut, sie trägt die obligate Maske und ich bin mir nicht sicher, ob sie es wirklich ist, aber die hat echt einen Fimmel...

Der Sommerer Horst glaubt sich wohl seit neuestem über reine Markenkleidung definieren zu müssen, weil er sonst nix am Kasten hat und der Prepasser Markus rennt durch die Gänge, als ob die Polizei hinter ihm her ist. Dabei hat er‘s doch immer mit‘n Kreuz gehabt. Alle mit Masken. Aber ich bin mir sicher, dass das die Gruber, der Sommerer und der Prepasser waren. Gaaaaanz sicher. Oder doch nicht?

Was aber dem Fass den Boden ausschlägt, ist ein Typ, der gar keine Maske aufhat. Der geht quasi nackert zum Discounter. Zeigt alles her: die Nase mit den großen Löchern, die Wangen und die Lippen. Und als ich kurz einen Blick von ihm erhaschte, da zeigt mir diese Drecksau ohne Genierer sogar seine Zähne. Seine Zähne! Ich versteh die Welt nicht mehr! Auch er drückt sich mit seiner fettigen Stirn an die Plexiglaswand und bis ich an der Reihe bin, ist da schon ganz eine schöne Sammlung vorhanden.

Ich hinterlass schnell meinen Abdruck und sause auf den Parkplatz, reiß mir die Maske runter, schnappe nach Luft und muss erkennen, dass die Leute von vorhin, die jetzt alle gerade unmaskiert ihre Autos einräumen, gar nicht diejenigen waren, für die ich sie gehalten hab. Kein einziger!!! Der Nothnagl is wahrscheinlich eh immer noch glücklich mit seiner Alten, die Oberhuber streichelt zhaus eh noch immer ihre Muschi und ist noch nicht auf den Hund gekommen, der Manfred ist seit Jahren abstinent und hat eine Haut wie ein Babypopo.

Wenn ich wenigstens den Holzmichl getroffen hätte, könnt ich euch sagen, ob der noch lebt. Aber so? Diese blöden Masken! Und ich war soooo schön im Läster-Modus…